In unserer kleinen 75. Jubiläumsausgabe haben wir uns endlich mal um das Titelthema unseres Podcastes gekümmert: Bier. Dazu haben wir uns ausnahmsweise einmal Verstärkung in die Sendung dazugeholt. Wer das genau ist und warum erfahrt ihr in dieser Ausgabe!
Transkription:
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Hitzewelle in Portugal und ihr kriegt sie auch ab. 33 Grad sind es gerade bei uns um 21:40 Uhr abends. Ich habe mich den ganzen Tag gefragt: Wenn diese Tiefdruckgebiete über Europa jagen, dann wissen wir immer, wie sie heißen: Anton, Maria oder Fatima oder sonst was. Wie heißen eigentlich Hitzewellen?
Das ist immer unterschiedlich, mein lieber Freund, weil die Namen ja immer unterschiedlich vergeben werden. Zumindest ist es in Deutschland so. Ich weiß nicht, wie das in Portugal der Fall ist. Aber gibt es bei Hitzewellen auch schon Namen? Nein, das sind Hochdruckgebiete natürlich. Ja, okay, aber das bedeutet ja nicht gleich eine Hitzewelle. Na gut, im besten Fall ist die Hitze ja auch nichts anderes als ein Hochdruckgebiet, wenn ich mal klugscheißen darf, ein hartes Hochdruckgebiet. Was ich bei der Gelegenheit fragen wollte bzw. sagen wollte: Ich habe mir gedacht, ich fühle dir so ein bisschen nach, die Hitze, unter der du jetzt noch leiden musst, und sitze hier bei 29 Grad am späten Abend schön unterm Dach. [01:21]
Das ist gut. Bei mir ist es aber noch ein bisschen wärmer hier drin, glaube ich, weil wir hatten es in Portugal ziemlich warm. Ich glaube, Maximalwert 46,7 Grad im Landesinneren. Oh, da kommen wir aber auch noch hin. Zumindest für Mainz ist das vorhergesagt. Das soll aber heute nicht unser Thema sein. Aber Hitzewelle, ich glaube, wenn es so weitergeht, dann können wir uns demnächst etwas ausführlicher über Hitzewellen unterhalten. Heute gibt es auch eine ganz besondere Folge, Tilo. Genau, etwas, was man eigentlich bei Hitzewellen ja nicht tun sollte, obwohl es einen vielleicht dazu bringt, weil es einfach auf der Hand liegt, ist Bier trinken. Richtig, Bier trinken in großen Massen sollte man nicht tun, man sollte ja Wasser trinken. Aber wir wollen ja heute wirklich mal nicht nur Bier trinken, sondern auch mal über Bier reden. Weil das haben wir in 75 Folgen – Henning, es ist die 75. Folge – Wahnsinn, oder? [02:26]
Genau, das ist nämlich das Besondere. Wir haben 75 Folgen hinter uns gebracht, da fange ich an zu spucken, und noch nie über Bier geredet, so wie es sich gehört. Und zwar ausführlich über Bier. Also wir haben schon über Bier geredet, aber nicht so wie heute. Und dafür, dass der Podcast heißt, wie er heißt, ist es natürlich jetzt wirklich an der Zeit, dass wir das machen. Und wir haben uns dafür auch zum ersten Mal so einen richtigen Live-Special-Guest eingeladen. Und wer das ist, das erfahrt ihr gleich. [04:34]
Am besten konntest du unsere Hörer nicht spoilern als mit dem Special Guest, den wir zum Thema Bier eingeladen haben. Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe Auf zwei Bier. Es ist die 75. Ausgabe und damit eine ganz besondere Ausgabe für uns. Mir gegenüber an der längsten Theke der Welt sitzt Tilo Wagner in Portugal, in Lissabon bzw. in der Nähe von Lissabon. Hallo, guten Abend. Ich kriege schon nichts mehr raus, meine Kehle ist so trocken. Ja, du bereitest dich seelisch schon auf die Hitzewelle vor, die euch noch viel stärker treffen wird. Henning Schwörer sitzt mir gegenüber und ist seit Jahr und Tag das Pendant zur portugiesischen Fassung hier in Lissabon. Er sitzt in Mainz in seinem Dachstuhl meistens, wo es heute ähnlich heiß schon ist, wie es in den nächsten Tagen in Deutschland wird. Ich freue mich sehr, dass wir wieder hier zusammengefunden haben und endlich mal ein Bier trinken können, weil Hitze hin oder her, Wasser hin oder her: Jetzt so ein richtig kühles Bier, Henning, darauf freue ich mich den ganzen Tag. [06:11]
Das stimmt allerdings. Ich habe mir auch ein schönes Bier mitgebracht, passend zur Sendung habe ich eins mitgebracht. Soll ich anfangen oder willst du eigentlich? Du stehst ja praktisch schon auf dem Bier drauf gerade, also los. Ja, ich habe es so gemacht, ich habe mir gedacht: Back to the roots. Das spricht natürlich für ein Bier, was wir glaube ich noch gar nicht hier im Podcast hatten und was ich aber früher sehr häufig getrunken habe, vor allem mit dir, lieber Tilo. Und was wir dann gemacht haben, ist genau das Gleiche, was ich heute gemacht habe: Ich bin an die Tanke gefahren und habe das Bier gekauft. Liegt aber eher daran, weil ich es zeitlich nicht hingekriegt habe und dann habe ich mir die nächste Tanke gesucht und habe mein Bier gekauft. Und zwar ein schönes Becks. Ein schönes Becks, einfach ein Klassiker. Eiskalt ist das. Das liegt nämlich ungefähr schon seit 11:00 Uhr im Kühlschrank und ich möchte es gerne demnächst aufmachen. [07:43]
Sehr schön, das sieht super aus. Wir haben ja früher immer den Becks Cup gespielt an Weihnachten. Du kannst dich daran erinnern? Das war Playstation, die erste? War das die erste Playstation? Ich glaube. Oder nein, das war noch Super Nintendo. Das war erst noch Super Nintendo vor der ersten. Da dürfen wir auch erwähnen, dass das FIFA Soccer war. Und das war FIFA Soccer 94. Für alle, die jetzt noch Bedenken haben und nicht ganz wissen, wie alt wir sind, das ist zumindest mal ein kleiner Hinweis, dass wir nicht 18 sind. Richtig, das stimmt. Aber was für ein Bier hast du denn dabei, lieber Tilo? [08:29]
Ja, Henning, wir haben ja diese Folge hier aus der Redaktionssitzung gestampft. Das war hart diesmal, da sind die Köpfe heißgelaufen. Eine Sache, die wir auch in gewisser Weise in diesem Podcast immer drin hatten, war eine gewisse Konstanz. Und das war ein Bier, was ich hier getrunken habe, weil du ja immer die schönen Biere aus deinem gut sortierten Bierschrank rausgezogen hast. Als wir den Podcast angefangen haben vor sechs Jahren, gab es übrigens weniger Bier als jetzt mittlerweile in Portugal, also zumindest was die Varietät anbetrifft. Da hat unser Podcast doch irgendwie was dazu beigetragen, offensichtlich. Auf jeden Fall. Und deshalb war ja immer der Kalauer, dass du irgendwas Ausgefallenes trinkst und ich trinke Super Bock. Und das mache ich heute auch. Deshalb habe ich hier tatsächlich eine kleine Kühltasche dabei, hier guck, siehst du? So mit so einem kleinen Kühlfach, weil es ist wirklich heiß hier. Ich wollte ja hier nicht, dass dieses schöne Bierchen irgendwie jetzt flöten geht. Hast du deins schon aufgemacht? Nein, um Gottes Willen, nein. Okay, dann sage ich einfach mal kurz was zu diesem Super Bock, wo übrigens hier auf diesem Neuen nur Bock draufsteht. Wieso denn das? Ja, die lassen sich ab und zu mal was einfallen, um die Flaschen etwas anders erscheinen zu lassen. Da steht jetzt einfach nur Bock. [10:20]
Ich habe also Bock auf Super Bock. Man muss nicht diese Dopplung sagen: Ich habe Super Bock auf Super Bock. Ich habe Bock auf Bock. Genau. Ja, Super Bock, da wollte ich euch einfach, weil ich so viel schon zu diesem Bier erzählt habe, ohne dass ich übrigens irgendwelche Sponsoringverträge mit denen abgeschlossen habe, das wollte ich an dieser Stelle noch mal sagen, weil wir arbeiten journalistisch sauber. Super Bock ist ein Bier, was 1927 auf den Markt kam. Allerdings ist die Firma, die das auf den Markt gebracht hat, schon etwas älter, stammt aus dem 19. Jahrhundert, als die ersten Getränke industriell produziert wurden in Portugal. Das fing glaube ich mit Wasser und irgendwelchen Softdrinks oder so was an und 1927 haben sie dann eben Super Bock ins Sortiment aufgenommen. Das fing gleich super an, weil die sofort mal irgendeine Goldmedaille auf irgendeinem Wettbewerb in Portugal abgeräumt haben. Aber wahrscheinlich gab es da auch nur ein Bier und die mussten irgendeins auszeichnen. Vielleicht gab es auch Sagres noch, das ist ja dieses zweite große Bier. Die beiden übrigens zusammen, so steht es zumindest auf der deutschen Wikipedia-Seite von Super Bock, haben einen Marktanteil von 89,5 Prozent. Super Bock und Sagres. [11:58]
Das ist in Portugal ein Duopol, würde man das nennen. Kein Monopol, aber ein Duopol. Ja, Super Bock wurde lange Zeit von einem Unternehmen gemacht, was dann später auch Carlsberg vertrieben hat in Portugal. Dann hat sich das Ganze aber umgedreht, dann hat nämlich Carlsberg gesagt: Okay, wir wollen einen fetten Anteil von Super Bock und haben dann glaube ich irgendwie so 45 Prozent von Super Bock aufgekauft. Super Bock selbst ist aber noch – und darauf scheinen sie sehr stolz zu sein – zu 55 Prozent noch in portugiesischer Hand. Das heißt, die sind da auch sehr präzise und sagen, dass der Firmensitz und die gesamten Geschäfte und alle Steuern auch in Portugal bezahlt werden. Das ist für die wichtig, weil die ja auch immer so einen gewissen Drive drin haben, natürlich auch gerade, wenn die Nationalmannschaft spielt oder keine Ahnung was. Da wird unheimlich viel diese Rührtrommel des Patriotismus angeschmissen und dann irgendwelche Leute trinken Bier und schauen Fußball. Aber auf sehr gute Art und Weise. Ich muss sagen, Super Bock macht seit 20 Jahren wirklich sehr gute Werbung. Die hatten schon vor 20 Jahren so einen Stil drin gehabt, da hast du dich irgendwie gefühlt in so einem nicht in so einem MTV-Video, aber vielleicht mit so einem Mischung zwischen MTV und TikTok in den Nullerjahren. Es hat alles so ein bisschen so eine Fake Reality gehabt, aber vom Glamour und vom Stil her trotzdem sehr gut. [13:56]
Ich wollte nur sagen, nur damit wir das der Vollständigkeit halber auch mal gesagt haben: So ein schönes Becks gibt es schon einen Ticken länger, und zwar seit dem 27. Juni 1873 gibt es die Brauerei. Das ist doch schön. Das fällt auch irgendwie in die Zeit, in der praktisch diese Firma gegründet wurde, die dann später Super Bock auf den Markt gebracht haben. Das scheint wohl die Zeit gewesen zu sein, in der eben industrialisiert produzierte Getränke eben auf den Markt kamen. Aber jetzt Bier bitte. Jetzt Bier. Jetzt machen wir erstmal dieses schöne Bier auf, weil bei den Temperaturen, die wir hier oben haben, da wird es auch sehr schnell lauwarm. Ich wollte es nicht sagen, ja. Sehr gut. Henning, prost. Prost. Zum 75. Zum 75., Henning. Wahnsinn, oder? Ja, ich erinnere mich an diesen Geschmack, ja. Sehr schön, ich auch. Ich habe schon lange nicht mehr Becks getrunken. [15:30]
Ach ja. Allgemein haben wir uns ja gefragt: Warum hat Bier eigentlich so einen Stellenwert für uns, dass wir danach zum Beispiel unseren Podcast benennen? Auf zwei Bier, da ist ja eine gewisse Botschaft drin. Da geht es um gewisse Geselligkeit vielleicht. Wir treffen uns am Tresen und trinken Bier. Das liegt natürlich auch daran, dass wir, wenn wir uns live treffen, einfach auch ein Bier trinken. Wir kamen ja nie auf die Idee, irgendwelche Cocktails zu saufen, oder? Ja, das war eigentlich nie irgendwie so groß die Frage. Ich glaube, Cocktails waren bei uns insgesamt auch nie so wahnsinnig groß angesehen. Ich muss ganz ehrlich sagen, als alter Rheinhesse, ich hatte oder habe teilweise immer noch so eine leichte Weinphase, wo ich halt gerne auch mal einen wohltemperierten Weißwein trinke. Aber das machst du eigentlich bei den Temperaturen auch nicht mehr. Also ja, kannst du als Schorle oder wie auch immer. Aber so ein kühles Bier, ich merke es gerade jetzt, das hat doch was. Gerade in puncto Geselligkeit finde ich, ist es wirklich auch so. [17:15]
Ja, das hat was. Ich glaube, es liegt ein bisschen auch daran, wenn wir das mit dem Wein vergleichen: Es ist ja auch so – also ich habe zum Beispiel überhaupt nicht diesen Drang oder diesen Drall, Wein einfach so zu trinken. Das geht bei mir nicht. Wein gehört zum Essen dazu, also gerne mal mittags einen Fisch und ein bisschen Weißwein dazu oder im Winter. Mittags, ja, wenn ich nicht arbeiten muss. Da legt sich dann der Tilo so leicht angesäuselt mittags um eins aufs Sofa. Man muss ja nicht gleich die ganze Flasche austrinken. Das ist nämlich der Unterschied. Wenn ihr Rheinhessen um neun eine Flasche aufmacht, dann muss die weg und dann ist man auch betrunken. Wenn man aber in Portugal zu einem gegrillten Fisch ein 0,1-Glas von einem zehnprozentigen Weißwein trinkt, dann wird man davon nicht betrunken. Also ich zumindest nicht. Es sei denn, wenn es ungefähr 38 Grad waren wie heute. Aber da habe ich es nicht gemacht. [18:31]
Wein gehört bei mir zum Essen dazu. Ich kann Wein nicht wirklich trinken, wenn man dazu nicht was isst. Das heißt für mich, fliegt der abends raus. Und wenn man abends halt irgendwie noch mit jemandem zusammensitzen will und was trinkt, dann ist es für mich einfach deshalb Bier auch, weil es einfach einen viel geringeren Alkoholgehalt hat. Dadurch – ich meine, Alkohol gehört für mich schon zum Bier dazu, ich trinke auch mal ab und zu ein alkoholfreies irgendwie – aber es gehört irgendwie schon dazu, aber man kann das halt steuern. Man kann das so wunderbar steuern und man kann halt trotzdem relativ viel trinken, ohne dass man dann davon betrunken wird. Das geht ja bei fast allen anderen Getränken, Cocktails, Wein oder sonst was ja dann nicht mehr. Und dieses am Weinglas sippen: Nein, das ist nichts für mich, da nehme ich lieber eine Flasche. [19:54]
Da hast du natürlich nicht ganz unrecht. Auch diese unterschiedlichen Ausprägungen, die man beim Bier kennt und sieht, finde ich auch ganz begeisternd. Also gerade wenn man jetzt so sieht: Bierkultur in Deutschland, Bierkultur in Europa ist es irgendwie anders. Selbst in Portugal hat man Präferenzen für ein Bier und irgendwelche Vorlieben und auch Traditionen. Zum Beispiel diese – ich glaube, das habe ich das erste Mal bei dir gesehen oder bei Henning, ich bin mir jetzt nicht so sicher – diese 0,25-Flaschen, wo ich dann am Anfang immer gedacht habe: Also 0,25-Flasche, da brauche ich eigentlich ja ne – das sagen ja hier auch ganz viele Deutsche – da ist ja gar nichts drin und wieso brauche ich die gar nicht aufmachen? Das trinke ich einmal dran und dann ist es weg. Aber das ist ja nicht der Sinn der Sache. Das Coole ist ja daran – ich habe jetzt hier eine 0,5-Flasche, die wird wahrscheinlich, wenn ich die leer habe, unten warm sein. 0,25 ist zwar weniger drin, klar, aber die bleibt auch immer schön kalt. [21:14]
Und so sieht es aus. Das ist natürlich auch der Grund, warum dieses Flaschenformat ja in Portugal auch so beliebt ist, weil das einfach hier auch bei warmem Wetter – im Sommer wird natürlich hier auch mehr Bier getrunken – dann einfach diese Frische behält und man eben diese kleinen Flaschen einfach schnell und zügig wegkippen kann. Ich wollte noch mal kurz zwei, drei Sachen allgemein zum Bier sagen, weil wir ja hier so gerade in Bierlaune sind. Zum Beispiel eine Sache, die ich bisher nicht wusste, aber Bier gibt es wahrscheinlich schon seit 10.000 bis 13.000 Jahren. Die ersten Funde von einer Bierbrauerei in diesem Sinne, wenn man das so bezeichnen will, stammen wohl aus einem Gebiet im Nahen Osten, was heutzutage Israel ist. Das fällt eben in eine Zeit, in der wir diese Agrarrevolution haben. Also der Mensch lässt sein Jäger- und Sammlerdasein hinter sich und wird sesshaft und fängt an eben Getreide anzubauen vor allem, gerade in Mesopotamien. Und dadurch entwickelt sich eine ganz andere Zivilisation, wie sie der Mensch vorher hatte. [22:42]
Es gibt ja Leute wie diesen Yuval Noah Harari, der dieses Buch geschrieben hat Eine kurze Geschichte der Menschheit, ist ein israelischer Historiker, der diese Veränderung zwischen dem Jäger-Sammler-Dasein des Menschen und der Agrarrevolution und dem landwirtschaftlichen Menschsein, wenn man das so will, ja ziemlich kritisch gesehen hat. Und gesagt hat, der Mensch hat dadurch Freiheit verloren, der Mensch hat seine eigene relativ freie Organisation in kleinen Gruppen verloren, wo es eine gewisse Gruppendynamik gab, aber wo es eben auch sehr viele gute Sachen gab. Und da ist der erste Schritt hin zu einem hierarchischen Aufbau eines Staates in dieser, weil du dann eben Bauern brauchst und die Bauern müssen die ganze Zeit arbeiten und die ernähren sich dann ziemlich schlecht, weil das alles nur noch auf Monokulturen basiert und so weiter. Und es gibt eben jetzt, will ich diesem Harari an dieser Stelle mal ganz offiziell sagen: Wenn in diese gleiche Zeit eben die Erfindung des Bieres reinfällt, dann muss ich sagen, hebt das alle anderen Sachen wieder auf. Ja, also hätte das nicht stattgefunden. Von daher würde ich sagen, hat das auf jeden Fall eine Daseinsberechtigung. [24:20]
Absolut. Und es gab, es hat sich dann – also nur kurz, ich fand, das könnt ihr alle selber zu Hause nachlesen – aber es hat sich über die Jahre entwickelt. Es hat sich in ganz vielen Kulturen immer wieder haben die Leute Bier gebraut oder Bier teilweise auf eine Art und Weise hergestellt. Ich erkläre das mal kurz, und zwar haben die in primitiveren Kulturen damals Getreide in den Mund genommen und dann mit der Spucke vermischt und dann wieder ausgespuckt und dann so ein bisschen da drin liegen lassen in diesem Sud. Das war auch eigentlich Bier. Vielleicht die erste Biersuppe, die man so kennt. Das klingt lecker. Apropos, ich habe ja auch mal Bier gebraut. Also ich habe es zumindest versucht mit so einem Bierbrauset, was ich im Internet erstanden habe. Also ich sag mal, es hat gut gerochen, ungefähr mehrere Wochen lang bei mir im Keller. Allerdings das, was rauskam, war doch sehr dünn. Um davon wahrscheinlich betrunken zu werden, hättest du wahrscheinlich den ganzen Kasten alleine trinken müssen, dass du da irgendwie was von gespürt hättest. Also von daher war es jetzt nicht so wahnsinnig dolle. [25:51]
Aber das gibt es auch. Bierbrauset und ich habe auch schon an einem Bierbraukurs teilgenommen. Da wurde das Feuer bei mir erst entfacht, aber das ist doch schon eine komplizierte Sache und deswegen konsumiere ich gerne einfach schon das fertige Produkt. Gut, dann will ich zum Abschluss nur noch eine Sache sagen: Das mit dem Reinheitsgebot von 1516 ist eigentlich auch nur Erfindung der Neuzeit, weil das Reinheitsgebot so in diesem Sinne des deutschen Bieres gibt es eigentlich erst seit dem 20. Jahrhundert. Ich glaube, das war 1918 oder so was, als eine erste gesetzliche Verabredung praktisch gefunden wurde, dass eben nur gewisse Stoffe, also Wasser, Getreide, Hopfen, keine Ahnung was in dem Bier in das Bier reingehören. Gerste übrigens. Ja genau, Gerstenmalz und Hopfen. Genau, dass das da reinkommt, das ist wie gesagt aus dem 20. Jahrhundert diese Idee. Aber sie haben dann eben im Archiv gewühlt und geschaut, wer das als Erster irgendwann mal erwähnt hat. Es gibt wohl auch schon eine ähnliche Regelung eben seit dem 16. Jahrhundert, die das festschreibt. Aber das war natürlich sehr lokal und nicht national. Das deutsche Reinheitsgebot gab es in dem Sinne damals ja auch noch nicht, weil wir ja auch noch keinen deutschen Nationalstaat hatten. Aber das ist eine andere Lektion. Wir wollten aber, Henning, wenn ich mich recht erinnere, ja noch jemanden anderen fragen, warum Bier eigentlich so wichtig ist. [27:43]
Ja, denn wir haben festgestellt, es gibt ja sogar eine Bierhymne da draußen. Kommt sogar aus Deutschland von einer deutschen Band, die da heißt: Hostel Goldmarie. Und wir hören uns den Track kurz mal an bzw. wir hören mal kurz rein. Warum ist Bier eigentlich so wichtig? Das Lied von Hostel Goldmarie. Und wir haben jetzt die absolute Ehre, einen der großen musikalischen Köpfe hinter diesem Projekt zu uns zugeschaltet zu haben. Wir reden von Christian Klemm, der auch Mainzer ist, dann aber rechtzeitig nach Berlin ausgewandert ist. Und früher in Mainz schon als Gitarrist von Atrox Mainzer Lokalbandgeschichte geschrieben hat. Und jetzt eben dieses neue Projekt gemacht hat und ein Lied, was einfach wie die Faust aufs Auge auf diese Sendung passt. Klemm, wie kam es dazu, dass ihr dieses Lied und vor allem diesen Titel gefunden habt? Kam das vielleicht während einer Bandprobe? [29:43]
So ist das. Und von Plötzlich kann auch eigentlich keine Rede sein bei uns. Also wenn wir Lied schreiben, dann dauert das immer so drei Jahre von der ersten Idee bis zur Aufnahme und Veröffentlichung auf Spotify. Das war – da war der Sohn Watzlaw heißt der von unserem Gitarristen und Sänger Jan, der singt auch das Lied – der war damals glaube ich zehn oder so was und der hat so seinen Papa angeschaut, nach oben geschaut und hat ihn wirklich ganz ernsthaft gefragt: Papa, warum ist Bier eigentlich so wichtig? Das wollte der kleine Junge wollte das wirklich ganz genau wissen, was das so ist. Mit neun, zehn Jahren wollen die also die Welt erforschen. Und das hat der Jan im Proberaum erzählt, dass er das so lustig fand. Da habe ich gesagt: Ey komm Jan, da musst du Lied draus machen. Und dann also schon drei Jahre später haben wir es jetzt veröffentlicht. Sehr geil. Warum ist denn Bier so wichtig? Kannst du uns die Frage beantworten? [30:46]
Das ist eine schwierige Frage. Also bei uns im Proberaum spielt es schon eine Rolle, würde ich sagen. Also wir proben immer freitags. Wir kommen echt so – sind ja auch nicht mehr die Jüngsten – ganz schön k.o. immer so im Proberaum an und dann haben wir da einen Kühlschrank und kühles Bier. Und dann machen wir immer erst mal eins auf, so wie ihr beiden. Was gibt es heute? Wir haben immer Budweiser. Und dann geht es los und das macht dann halt noch mal schön fit für den Freitagabend, um dann bis 1 Uhr, 2 Uhr Musik zu machen. Sehr cool. Das klingt auch so ein bisschen, Henning, auch an unseren Hühnerstall in Marienborn, wo wir mit unserer Band geprobt haben. Da war eigentlich auch immer ein Bier vor Ort. Wir waren aber nicht so modern ausgestattet, dass wir einen Kühlschrank stehen hatten. Bei uns im Proberaum war ja im Winter immer das Bier schön kalt, aber im Sommer schön warm. Genau. Und wie kam es denn dazu, dass ihr auf die Idee kamt, ja dann so ein Lied daraus zu machen? Also der Anlass war der Junge und ihr habt dann eigentlich gesagt: Cool, das wird ein Lied. [32:05]
Also wir sind ja auch eine Laienband. Wir sind ja jetzt ja wie sind ja nicht unendlich kreativ. Und wenn man dann irgendwas denkt: Das ist doch lustig, so einmal im Jahr oder so was, dann machen wir eigentlich immer irgendwas draus. Okay. Das finde ich eigentlich ich finde das ein ganz gutes Motto für eine Band auch, dass man sich so kleine Geschichten aus dem Leben erzählt und dann eben versucht, das auch umzusetzen. Das ist ja auch so ein bisschen euer Konzept, oder? Auf jeden Fall. Also das sind immer irgendwie so also wir schreiben unsere Texte halt auch alle selber. Wir haben keine Covers und so weiter und ich schreibe die was weiß ich, wenn ich auf meinen Pendeltrips unterwegs bin zum Job, irgendwo in der S-Bahn, und dann schnell Papier rausholen und dann ein paar Reime machen. Und dann entwickeln wir die aber immer auch in der Gruppe noch mal weiter. [33:01]
Cool, das finde ich sehr gut. Clemen, was sind denn deine Erinnerungen, weil wir haben ja die 75. Ausgabe von unserem Podcast, man glaubt es kaum. Aber was waren deine ersten Kontakte mit Bier, bevor wir dir jetzt erzählen? Ja, ich bin schon mal gespannt, was ihr erzählt. Aber es war auf jeden Fall in Mainz. Das haben wir wahrscheinlich alle gemeinsam. Und ich weiß nicht, kennt ihr Römerquelle? Ja. Finden, heißt das, ne? Genau. Und dann noch so ein bisschen weiter raus aus Mainz, da sind diese Obstplantagen. Damals Linie 10, jetzt glaube ich Linie 50. Da war das so ein bisschen sandiges Gebiet und da waren wir, ich glaube das waren die Atrox-Jungs. Ich war noch relativ jung leider, das darf man jetzt gar nicht senden, ich war glaube ich 12, 13 Jahre alt. Und da hatten die ein Sixpack Röpi. Römer-Pils, genau. Klassisch Binding Römer-Pils. Und das hat überhaupt nicht geschmeckt. Natürlich, es war auch glaube ich Sommer, warm. Aber es hat eine gewisse Wirkung gehabt. Und das hat schon irgendwie das fand ich interessant, aber ich hatte gleichzeitig natürlich irgendwie Angst, dass meine Eltern das irgendwie mitkriegen, weil wir wohnten nicht weit weg davon, da musste ich wieder zurück. Ich glaube, das war so das erste Bier, was ich getrunken habe. Aber du hast dann auch wirklich erst mal nur eins getrunken. Wir haben uns das geteilt irgendwie alle, oder so das Sixpack haben wir dann irgendwie alle zusammen getrunken und jeder so eins. [34:38]
Ich glaube, wir können uns darauf einigen, dass unser allererstes Bier ein Röpi war, oder? Ja, das war meins auch, aber ich glaube bei mir war es tatsächlich Binding Export. Das tut mir jetzt leid, dass ich das sagen muss, weil das ist ja wirklich noch mal die ganz schlimmere Version von Röpi. Ich dachte einfach wirklich wegen Kostennutzen, aber Binding Export war noch günstiger, glaube ich, oder? Ja, es ging aber bei mir auch eher darum, vielleicht weil ich halt gedacht habe, das würde vielleicht dann doch eher so schmecken wie Malzbier. Nicht so bitter. Genau, ein bisschen süßer hat mir irgendjemand erzählt. Bei mir war das dann so – also ich meine, das ist die erste Erinnerung, die ich habe. Es kann natürlich sein, dass ich vorher auch schon mal ein Bier getrunken habe, irgendwo mal genippt oder sonst was. Aber das erste Mal, das war Hage, ein weiterer Kumpel von uns, hatte sturmfreie Bude. Er hat ja damals schon im Keller seiner Eltern gewohnt, insofern hat er eigentlich immer sturmfreie Bude gehabt. Und wir waren irgendwie 14 und wir hatten glaube ich gerade angefangen, schon mal die ersten Zigaretten zu rauchen. Dann haben wir gedacht, jetzt kaufen wir noch mal ein bisschen Bier dazu. Und sind dann zu der Tankstelle, Jet-Tankstelle vom Massermarkt damals noch. Das war praktisch so ein Einkaufszentrum zwischen Bretzenheim und Marienborn. Und wir sind dahin und wir haben uns aber nicht so richtig getraut, weil wir waren 14, da in die Tanke zu gehen und ein Sixpack zu bestellen. Glücklicherweise waren dann so ein paar elfjährige italienische Jungs da und die haben dann das Bier für uns gekauft. Wie alt waren die? Elf. Macht Sinn, ja. Aber wir haben dann auf jeden Fall dieses Sixpack platt gemacht und ich habe sofort gekotzt. [36:34]
Ich kann leider nicht so eine wahnsinnig gute – ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr dran erinnern. Wahrscheinlich hatte ich einen Filmriss, weil ich mich nicht mehr dran erinnern kann. Ich habe nur vorhin schon erzählt, ich habe heute so eine kleine Wallfahrt hingelegt, indem ich praktisch genau das Gleiche noch mal gemacht habe, wie ich damals regelmäßig mit Tilo oder mit Hage gemacht habe. Damals sind wir nicht zur Jet-Tankstelle gefahren, ich bin zur Jet-Tankstelle gefahren, die gibt es da immer noch, und habe ein Bier gekauft. Diesmal habe ich gedacht: Okay, gibt es Röpi? Gibt es nicht mehr. Doch, aber Binding gibt es glaube ich schon. Binding gibt es noch? Ich habe es in Frankfurt neulich mal gesehen. Aber ich habe mir trotzdem dann Becks geholt, weil ich irgendwie mit Becks verbinde mehr als mit Binding, ganz ehrlich. [37:34]
Und Clem, was trinkst du eigentlich heute? Darf man das sagen, darf man alkoholfreies Bier trinken bei euch? Auf jeden Fall, nur wenn du krank bist. Ein Peroni. Okay, das ist okay. Sehr gut. Ja, wir haben aber uns vorhin schon mal so ein bisschen danach gefragt, warum uns Bier so wichtig ist in diesem Sinne. Und sind ein bisschen so auf diesen Schluss gekommen – ich weiß nicht, ob du das teilen kannst: Es ist ja schon so eine gewisse Frage, warum kommt man zusammen und trinkt Bier? Ich meine, es gibt ja auch diese rheinhessische Version: Man kommt zusammen und trinkt Wein. Das finde ich übrigens überhaupt nicht gut, weil man da so schnell betrunken wird. Und ich habe immer irgendwie das Gefühl, dass bei dem Bier ist es so ein schleichender Rausch. Glaubst du, das ist wichtig? Ich glaube, das ist eine Typfrage. Es gibt so Trinkmenschen, wie ich auch, ich trinke auch viel Mineralwasser, und dann trinke ich halt irgendwann dann auch viel Bier. Ich brauche einfach viel Flüssigkeit. Und die eher trockenen Menschen, die trinken dann halt was weiß ich, einen Schnaps oder einen Wein. Schnaps trinke ich zum Beispiel null, nie. [38:45]
Das haben wir also auch festgestellt, dass wir auch überhaupt kein Interesse an harten Getränken irgendwie gehabt haben. Also ich meine, natürlich habe ich auch mal ein paar Cocktails getrunken oder so was, was eigentlich immer schlecht ausging bei mir. Und aber dieses mit dem Bier, ich glaube, das hat eben auch – ich glaube, es hat auch was damit zu tun, dass man eben das so ein bisschen schleichend alles erfährt, viel trinken kann, aber halt auch nicht dann sofort unzurechnungsfähig ist. Oder werdet ihr bezahlt eigentlich von der Bierindustrie für diese Werbung? Schön wär’s. Ja, aber die Frage ist auf jeden Fall berechtigt, gerade in meinem Fall, weil ich ja unheimlich viel Super Bock trinke. Was aber auch daran liegt, dass der Markt in Portugal zu 90 Prozent von Super Bock und Sagres bestimmt wird. Oder anders gesagt, dass es halt einfach nichts anderes gibt da unten. [39:46]
Clemen, vielen, vielen Dank, dass du dabei gewesen bist und uns ein bisschen mal in so ein Bandleben, wenn man so einen tollen Song schreibt, mal hast reinschauen lassen. Vor allem auch in deine Jugendzeit. Was du beschrieben hast, das war glaube ich die Sandgrube, oder? Ja, mehr so eine Heidesheim hinten raus. Keine geografischen Details jetzt. Nicht dass ab morgen Wallfahrten irgendwie von inoffiziellen Fanclubs hingehen. Da hat sich Atrox gegründet. Okay, danke, dass du dabei warst und dir noch einen schönen Abend. Euch auch, ciao. Tschüss Clem, ciao. Ciao. [40:29]
Das war doch eigentlich ganz erhellend. Gut, dass wir Clem noch mal dazu genommen haben. Und ich würde sagen, wir verabschieden uns auch in die lauwarme Sommernacht mit unserem schönen Bierchen und feiern noch ein bisschen 75. Ausgabe. Was meinst du, Tilo? Absolut. Ich fand schön, dass der Clem halt auch bei einer Band geblieben ist. Das ist ja etwas, was wir nicht geschafft haben, muss man ehrlich sagen, Henning. Wir hatten eine Band, die ist auseinandergefallen. Und danach habe ich auch wirklich es nicht mehr geschafft, irgendeine Band zusammenzukriegen. Auch hier in Portugal spiele ich zwar ab und zu mal ein bisschen Musik mit dem einen oder anderen, aber so eine Band, wie sie der Clem hat, und jetzt heutzutage mit Spotify und den Möglichkeiten solche Sachen aufzunehmen, da bin ich schon ein bisschen neidisch, muss ich sagen. [41:25]
Ja, das stimmt allerdings. Da hast du vollkommen recht. Das ist schon ein anderer Schnack als das früher war, wenn ich mir vorstelle, was das für ein Aufwand war, wie wir damals das Demotape produziert haben. Oh Gott. Ich habe es noch, ich habe es noch, da oben steht es. Sehr schön, super. Aber insgesamt fand ich es schon cool und erhellend, dass wir mal ein bisschen diesen Podcast dem Bier gewidmet haben, weil es damit auch jetzt einfach vorbei ist. Jetzt ist mal die Erklärung geschaffen worden, warum wir diesen Podcast so genannt haben, was dahintersteckt. Und wir haben auch nur 75 Folgen gebraucht, um dazu zu kommen. Genau, ist einfach gemütlich, so sieht es aus. Also, das war’s. Die nächste Ausgabe würde ich sagen gibt es in einem Monat pi mal Daumen, wenn ich nicht zufällig in Frankreich weile, aber das schauen wir einfach mal. Wir feiern hier noch ein bisschen unseren 75. Geburtstag und stoßen noch mal an. Und ihr, liebe Hörer, ihr könnt das natürlich auch machen und uns an eine E-Mail schreiben. Tilo, ich sag mal prost. Ja, prost Henning und viel Spaß mit der Superhitze, die da ankommt. Danke schön. Ciao. Ciao.


