In der heutigen Ausgabe sprechen wir gemeinsam von einer Parkbank direkt am Rhein in Mainz – am Panther. Der heißt eigentlich „Schreitender Tiger“, aber das hat uns in unserer Jugend nicht wahnsinnig interessiert. Mehr aus der Jugend und über den öffentlichen Nahverkehr in Deutschland erfahrt ihr in dieser etwas speziellen Sommerausgabe.
Shownotes:
Rheinufergalerie in Mainz
Budvar
Jever
Transkription:
00:00
Eine kurze Frage. Warum hast du eigentlich keine Wagner Pizza bestellt? Das lasse ich jetzt mal so stehen. Wir stehen hier an einem bekannten Mainzer Kebab-Laden zusammen und zu zweit. Verrückt, das gibt es ab und zu. Wir suchen uns jetzt in Mainz die kürzeste Theke der Welt. Ich bin mal gespannt, wo die ist.
00:33
Wir sind noch auf der Suche. Die Redaktionskonferenz ist ausgefallen, die machen wir im Dönerladen. Die Frage, die sich dann per Voting entscheidet, ist, wo es uns dann hintreibt. Vorher werden wir uns wahrscheinlich noch irgendwo ein Bier besorgen. Was das dann für ein Bier ist, das werdet ihr gleich erfahren nach dem Intro.
01:18
Während sich hier das eine oder andere Pärchen vor der wunderschönen Kulisse des Rheins fotografieren lässt, sind wir hier, um mal wieder eine Aufnahme gemeinsam zu machen. Du bist nämlich in Mainz.
01:43
Richtig, dieser Podcast findet an der kürzesten Theke der Welt statt, und die ist heute eine Parkbank ganz in der Nähe von dem Schwarzen Panther, dieser Statue. Der Schwarze Panther da drüben war ja immer der Treffpunkt, das hatten wir im letzten Podcast, wo wir uns früher in unserer Jugend immer getroffen haben, um das eine oder andere Bier zu trinken. Das haben wir gedacht, machen wir heute auch und nehmen das Mikro mit.
02:22
Es ist erst das dritte Mal, glaube ich, wenn ich mich nicht täusche: einmal bei dir oben unterm Dach, einmal auf dem Weihnachtsmarkt in Mainz und jetzt am Rhein. Das sind drei wirklich emblematische Orte des Mainzer Lebens. Das hast du wirklich schön gesagt. Für alle, die der Kulisse hier in Mainz nicht so mächtig sind: Wir sitzen hier direkt am Rhein und schauen auf den Rhein.
02:50
Wir wollten die Gelegenheit nutzen, mal ein bisschen über das erste Halbjahr zu sprechen. Erst mal machen wir das Bier auf. Das Wetter ist bescheiden, aber es kommt jetzt gerade so eine nette Abendsonne raus, die scheint so leicht über den Taunus und über diese Transportschiffe, die russisches Flüssiggas nach Holland bringen, habe ich gehört. Auf der anderen Seite des Rheins ist die hessische Seite, Kastel ist das.
03:49
Ich bin ja seit ein paar Jahren nicht mehr hier, insofern kann man sich in der Geographie schon mal vertun. Aber ich habe mir, was mein Bier anbetrifft, den Bandproben-Tipp von Christian Klem noch mal zu Herzen genommen. Der trinkt bei seinen Proben immer Budweiser, das tschechische. Das tschechische trinke ich auch sehr gern, das ist mittlerweile sehr schlecht in Portugal zu bekommen. Deshalb freue ich mich, dass wir beim Altstadt-Kiosk dieses Bier gefunden haben.
04:52
Ich habe aus Nostalgiegründen einfach das Jever genommen. Wollen wir anstoßen? Das wird nichts, war aber nicht schlecht. Prost, Henning! Sehr gut dieses Bier. Es klingt besser als deine Schreibtischlampe. Ich habe gedacht, du machst den Podcast immer vom Bett aus. Du weißt, dass es nicht so ist. Ich dachte, dass ich ab und zu mal ein Schnarchen von deiner Frau im Hintergrund gehört hätte. Dazu sage ich jetzt nichts.
05:54
Henning Schwörer, freier Journalist aus Mainz, und Tilo Wagner, noch freierer Journalist aus Portugal, immer am Puls der Zeit. Ich schaue hier gerade auf diesen Steg, wo die Möwen gerade richtig einen drauf lassen. Das ist schon ganz weiß. Wir versuchen mal, die Kurve zu kriegen. Du wolltest ja so ein kleines Zwischenfazit ziehen, was das Jahr so anbetrifft, was uns so aufgefallen ist.
06:48
Ich bin jetzt in Deutschland unterwegs gewesen mit dem Deutschland-Ticket und kann ein bisschen aus dem Deutsche-Bahn-Nähkästchen plaudern. Ich habe vorher immer gedacht: Wenn ihr euch über die Deutsche Bahn aufregt, solltet ihr mal wissen, wie wenige Verbindungen es in Portugal überhaupt gibt. Jetzt kann ich nachvollziehen, warum sich der eine oder andere über diesen Service aufregt.
07:38
Verspätungen müssen wir gar nicht erst erwähnen. Einmal wurde versucht, ein Signal samstagsmittags zu reparieren, was man vielleicht auch nachts hätte machen können. Mein größter Aufreger war, als ich einen Freund in Alsheim besucht habe, ein schöner Weinort direkt am Rhein. Da gibt es eigentlich sehr gute Zugverbindungen. Wir sind gegen 23:30 Uhr in den Zug gestiegen.
08:48
Dann kam irgendwann kurz vor 12 Uhr die Durchsage: Dieser Zug endet heute in Bodenheim. Eine Weiterfahrt zum Mainzer Hauptbahnhof wird nicht stattfinden. Der Schaffner versteckt sich nicht in seinem Häuschen, er kam auf den Bahnsteig raus und hat es erklärt. Es hat sich ein kleiner Tumult vor seinem Häuschen gebildet und manche haben mit ihm geschimpft.
09:40
Meine Theorie ist ja, er ist an das 10-Stunden-Fahrpensum rangekommen um Punkt 12 Uhr. Er darf dann per Gesetz nicht mehr weiterfahren wegen versicherungstechnischen Fragen. Ich glaube nicht, dass das der Grund war. Es gab keinen Motorschaden, gar nichts. Ich glaube, der hat einfach in dem Moment gesagt: Jetzt ist Schicht.
10:15
In Bodenheim wird die Gleisführung einspurig. Wenn der Zug dir nicht entgegenkommt, kannst du nicht weiterfahren. Das ist übrigens auch bei Mainz-Marienborn so. Fakt war, dass ich gegen Mitternacht mit meiner Familie inklusive Kindern auf diesem Bahnsteig in Bodenheim stand und wir darauf gewartet haben, dass wir einen Taxigutschein ausgestellt bekommen.
11:18
Das ging nach einigem Hin und Her. Dann sind wir mit diesem Taxigutschein in ein Taxi gestiegen. Der Taxifahrer konnte mit diesem Taxigutschein überhaupt nichts anfangen und wusste nicht, wie er den einlösen sollte. Er hat sich den Gutschein angeschaut und meinte: 13,80 Euro, damit kommst du aber nur bis Laubenheim. Und so war es auch. In Laubenheim hat er mich dann gefragt: Willst du weiterfahren? Dann musst du Kohle haben.
12:13
Ich bin kurzfristig bei einer Bushaltestelle ausgestiegen, weil ich gesehen hatte, dass da doch noch ein Bus fährt. Aber du stehst halt direkt an dieser Bundesstraße in der Dunkelheit mit deiner Familie. Wir haben uns dann dazu entschieden, durchzufahren und den Restbetrag zu bezahlen. Ich werde Beschwerde einreichen und dieses Geld zurückfordern. Ich gebe euch alle paar Monate ein Update, wie weit ich damit gekommen bin.
13:46
Das ist die Garantie dafür, dass dieser Podcast die nächsten zehn Jahre noch weitergehen wird. Das Problem beim öffentlichen Nahverkehr in Deutschland ist, dass er zu 80 Prozent nicht funktioniert. Deswegen wirst du auch die wenigsten dazu kriegen, spontan umzusteigen. Du kannst ja nicht mal dein Fahrrad mitnehmen, da rasten ja schon die ersten Busfahrer aus.
14:48
Und übrigens die ersten Zugführer auch. Es sei denn, du hast ein Klappfahrrad dabei. Wenn du ein Klappfahrrad mitnimmst, zahlst du dafür nichts. In meiner Zeit, als ich aktiv in Frankfurt gearbeitet habe, hatten die ganzen Juppies so schicke Dinger, die man dreifach zusammenklappen konnte. Das geht ruckzuck, da braucht man sich dann auch nicht zu beschweren.
15:51
Man muss schon sagen, das ging alles einigermaßen, Taxis waren da, Gutscheine wurden ausgestellt. Wenn die halt nicht so einen beschissenen Preis draufgeschrieben hätten, wäre das eigentlich alles in Ordnung gewesen. Ich glaube, es kommt auch daher, dass der öffentliche Nahverkehr tatsächlich deutlich zugenommen hat. Es sind mehr junge Leute da, die mehr öffentliche Verkehrsmittel fahren als Autos.
16:48
Auch durch die Migration ist mehr Nachfrage da. Das alles unter einen Hut zu bringen beim gleichen Schienennetz, wird natürlich schwierig. Dazu kommt noch der Güterverkehr. Die Regierung will da jetzt auch ein bisschen was tun. Wir kämpfen hier gerade gegen eine Biene an, die sich von Hennings Jever angezogen fühlt. Budweiser ist eigentlich süßer.
21:04
Wie kommen wir von diesem Lanz-und-Precht-Feeling für unseren Podcast runter? Wir wollten eigentlich darüber reden, was uns im letzten halben Jahr am meisten auf den Nerv gegangen ist. Mir fällt spontan die Deutsche Bahn ein. Bei mir ist es immer so, dass der jüngste Aufreger das ist, was einen am ehesten im Blut am Kochen hält.
22:04
Das letzte halbe Jahr ist politisch bescheiden gelaufen, wenn man sich anschaut, was in den USA passiert oder in Gaza oder in der Ukraine oder bei uns im Bundestag oder in Portugal im Parlament. Ich finde nicht, dass es dazu passt, dass wir jetzt auch noch mit Trump anfangen. Aber gibt es irgendetwas Persönliches, worüber du reden möchtest?
23:07
Der Rasen hier sieht schlimmer aus als der bei mir im Garten. Ich habe versucht, jetzt wieder mal die Bewässerung an den Start zu bringen. Alle Einbrecher bitte aufpassen, es gibt nichts zu holen. Es gibt viele Themen, wo aus der Mücke ein Elefant gemacht worden ist und wo man vielleicht mit ein bisschen mehr Besonnenheit auch ein bisschen mehr erreicht hätte.
24:33
Da kommt die Wasserschutzpolizei. Ist das illegal, dass wir hier mit einem Schlauchboot vom Lidl auf dem Rhein schippern? Nein, aber es wird nur schlimm, wenn wir damit umkippen. Wir könnten natürlich auch von dieser Verfassungsrichterwahl vom letzten Freitag anfangen. Das ist ein guter Punkt. Da bin ich ganz bei dir.
25:51
Wie kann es sein, dass so ein Aufregungshascher wie dieser Plagiatsjäger die Wahl einer Verfassungsrichterin praktisch blockieren kann? Ich habe heute auch einen Screenshot gesehen, dass auch Julian Reichelt mit seinem YouTube-Format anscheinend auch in diese Kerbe gehauen hat. Wenn wir uns jetzt im Bundestag auf Julian Reichelt referenzieren, dann gute Nacht Deutschland.
26:42
Besonnenheit ist ein tolles Wort, das könnte ich gar nicht ins Portugiesische übersetzen. Das gibt es im Portugiesischen nicht. Man könnte dazu calma sagen, aber das ist eher die Ruhe. Wir spielen jetzt im Hintergrund Con Calma ein. Haben wir darauf die Rechte? Nein. Okay, dann musst du es mal singen. Ihr wisst, was gemeint ist.
27:30
Diese Besonnenheit würde ich mir auch wünschen, weil es einfach auch dem ganzen öffentlichen Leben gut tun würde. Die CDU hat im letzten Moment den Rückzieher gemacht und eine von der SPD vorgeschlagene Juristin nicht mit allen Stimmen zur Bundesverfassungsrichterin ernannt. Dieser Fall zeigt natürlich auch wieder diese Krisenstimmung.
28:13
Im Nachhinein wird dann sofort wieder mit dieser AfD-Keule herumgeschlagen. Das muss man ja nicht jedes Mal dazu sagen. Ist aber so. Das Problematische ist, dass die Leute sich vielleicht vorher Gedanken machen sollten, wem das schaden oder helfen könnte. Es gibt übrigens auch noch ein zweites gutes Beispiel: dieses Übers-Stöckchen-Springen, wenn Donald Trump irgendetwas sagt.
29:00
Die Leute in der Newsredaktion hatten immer Angst, wenn sie die Spätschicht hatten, weil es passenderweise in Amerika vor 21 Uhr nicht losgeht. Wenn dann irgendeine Pressekonferenz kommt, dann kommt eine Eilmeldung nach der anderen. Man sieht es jetzt auch wieder bei den Zöllen für Europa. Warum Trump das macht, haben schon andere Wirtschaftsexperten gesagt: Er ist sehr businessgetrieben.
30:02
Übrigens sage ich dir jetzt gerade, dass hinter uns gerade der Oberbürgermeister von Mainz, Nino Haase, läuft. In dem Anzug, das ist Nino Haase. Oder ist er das nicht? Ich bin mir nicht sicher. Das hättest du wissen sollen, bevor du irgendwelche Gerüchte hier verbreitest. Bei Trump ist auch ein gewisser Abnutzungseffekt zu spüren.
30:57
Man sollte sich das noch ein bisschen mehr zu Herzen nehmen, vor allem weil wir ja wissen, was Trump heute sagt, hat die Dauer und die Standhaftigkeit von 18 Stunden. Deshalb muss man dafür jetzt nicht gerade sich aus dem Bett klingeln lassen, um irgendwelche Top-News rauszuhauen. Das Gesamtgefühl, in dem wir uns befinden, wird uns noch eine ganze Zeit beschäftigen.
33:14
Ich würde sagen, wir machen an der Stelle einen Deckel drauf, bevor Nino Haase noch zurückkommt. Guck mal, da läuft Michael Jackson. Er ist es doch nicht, es ist Dua Lipa. Verdammt, die hat doch gerade ein Konzert in Frankfurt, da ist sie erst in Mainz. Insgesamt muss ich sagen, ist dieses Podcast-On-Air und Open-Air eigentlich eine ganz nette Sache.
34:05
Es hat aber den Nachteil, dass du immer mal wieder abgelenkt wirst. Da drüben kreisen ein paar Wasservögel über dem Rheinwasser. Die Leute haben einfach gedacht: Wer ist das? Was ist das für ein komischer Kiffbengel mit den langen Haaren? Das ist die Frage, die sich viele stellen. Wenn du in einer fremden Stadt bist, mach einfach einen Live-Podcast Open-Air.
37:03
Damit würde ich sagen, machen wir jetzt den Deckel drauf. Tilo, danke, dass du hier gewesen bist. Es ist mir wieder eine Freude mit dir auf diese Art und Weise Podcast zu machen. Das hat natürlich auch den großen Vorteil, dass ich dir kein File schicken muss im Nachhinein. Wir machen Schluss. Wenn ihr was habt: . Bis nächsten Monat. Tilo, schönen Urlaub wünsche ich dir. Danke schön, Tschüss!


