Der Extrem-Sommer in Deutschland und Portugal

Willkommen zur womöglich heißesten Folge von „Auf zwei Bier“! Während Tilo in der portugiesischen Walachei bei brütender Hitze auf eine (fast) totale Sonnenfinsternis wartet, zerfließt Henning im heimischen Dachgeschoss. Wir diskutieren, warum der Rhein plötzlich auf Grundwasser-Niveau dümpelt, weshalb Ventilatoren das neue Gold sind und wie ein Spielzeug-Helikopter unrettbar auf einem Eukalyptusbaum landen konnte. Holt Euch ein eiskaltes Getränk aus dem Kühlschrank und lauscht unseren Weisheiten über den Klimawandel.

Shownotes:
Carlsberg
Schwarze Rose Craft Beer

Transkript:
[00:00]
Henning, es ist ein Tag vor der Sonnenfinsternis und ich sitze hier in der portugiesischen Walachei und bereite mich seelisch schon auf diesen großartigen Moment vor. Wir haben jetzt zwar nicht 100 %, das haben nur die Spanier, weil die dieses Jahr alles 100-prozentige kriegen: Weltmeistertitel, Migrationskrise, Waldbrände, Sonnenfinsternis. Alles 100 %, aber wir sind hier immerhin bei 97 und machen morgen so ein kleines Happening daraus. Damit ich weiß, worauf ich mich da einstellen kann, habe ich mir gedacht, wir machen den Podcast heute schon mal unter ähnlichen Bedingungen und kann mich temperaturmäßig und wie das Bier schmeckt, schon mal ein bisschen darauf einstimmen.

[01:10]
Das finde ich eine gute Idee. Wir bleiben beim Thema Sonne und reden ein bisschen darüber, was die Sonne in diesem Sommerjahr mit uns gemacht hat. So intensiv wie wir das Ganze mit der Sonne in diesem Jahr hatten, hatten wir es schon lange nicht mehr, oder? Kannst du dich daran erinnern? Bei dir ist natürlich immer Sonne, auf der sonnigen Seite des Lebens. Man kann ja auch nicht damit rechnen, wenn man so einen heißen Sommer hat wie dieses Jahr, dass sich da jeden Tag der Mond davor schiebt, um ein bisschen Abkühlung zu erreichen. Aus kosmologischer Sicht ist das nicht möglich.

[02:30]
Abkühlung wäre hier in Deutschland auf jeden Fall eine Geschichte, die ich befürworten würde. Hier ist es weiterhin warm. Man sagt zwar aus meteorologischer Sicht, dass in dieser Woche noch mal diese Hitzeaufbäumungen kommen, aber je weiter wir Richtung Ende August, September schreiten, umso unwahrscheinlicher wird es, dass noch mal die 38 oder über 35 Grad aufgerufen werden. Nichtsdestotrotz haben wir sie auch in diesem Jahr genügend gerissen.

[03:10]
Herzlich willkommen zu einer frisch gezapften Ausgabe Auf zwei Bier mit Henning Schwörer. Ich sitze in Deutschland und schwitze im zweiten Stock direkt unter dem Dach. Thilo Wagner ist in Portugal im Landesinneren, der sich wahrscheinlich eine kühle Brise um die Ohren säuseln lässt. Brise ist hier null, gar nichts. Das ist schade, weil ich bräuchte sogar einen kleinen Sturm. Ich habe nämlich vorhin mit meinen Kids zusammen einen ferngesteuerten Helikopter in die Luft geschickt und das Ding ist auf einem Eukalyptusbaum gelandet. Da kann man wirklich nicht hochsteigen, da gibt es keine Äste, das ist ein glatter Stamm.

[04:45]
Ich trinke ein Carlsberg aus der Dose, 0,5 Liter, richtig knackig frisch. Das Ganze wird in Portugal über die Super Bock Group abgewickelt. Ich habe ein besonderes Bier dabei. Wir sind in zwei Sachen gleich: 0,5 Liter und Dose. Ich habe ein Bier aus einer Craft-Bier-Brauerei in Mainz, die heißt Schwarze Rose. Davon habe ich heute eine Dose Magnetic Vibration dabei, ein West Coast IPA mit 6,3 Umdrehungen. Das habe ich geschenkt bekommen von einem guten Bekannten als Dank.

[06:20]
Du hattest ja zwischenzeitlich überlegt, ob wir eine Sommerpause einführen, weil der Zeitdruck so hoch ist. Aber du hast gesagt nein, denn eine Sommerpause hatten wir noch nie. Wir haben es nur ein bisschen gestreckt, so wie diesmal auch. Wir sind jetzt schon bei fast fünf Wochen zwischen dieser und der letzten Sendung. Das ist eine TED-Frage ans Publikum: Ist die Sendung schon mal ausgefallen? Schreibt uns doch mal eine schicke E-Mail.

[07:50]
Ich war ja im Urlaub gewesen in Frankreich, in der Bretagne. Da habe ich die Sonne auch von einer ganz neuen Art und Weise kennengelernt. Ich war zum Glück ziemlich weit im Norden. Es war verdammt heiß. Das Erste, was mir aufgefallen ist, als ich nach Frankreich reingefahren bin, war die Tatsache, dass es keinen grünen Grashalm mehr gab. Es ist alles verdorrt. Es gibt zwar noch Bäume, die grün sind, weil sie vielleicht mehr Speicher haben, aber Gras war alles braun.

[09:15]
In Portugal hält es sich diesmal noch einigermaßen in Grenzen, dass es so weitergeht. Ich stelle mir das hervorragend vor, wie du in deinem Wohnmobil über diese Straßen in Frankreich fährst, auf das braune Gras guckst und denkst: Das wäre doch mal ein schönes Podcast-Thema. Wir hatten in Portugal Anfang Juli eine deftige Hitzewelle. Da hat es auch einmal ordentlich gebrannt oben im Norden. Das war ein großes Feuer, das sie nicht richtig unter Kontrolle bekommen haben, wo dann 15.000 Hektar auf einen Schlag verbrannt sind. Diese großen Feuer sind wegen des Klimawandels, der Hitze und der Trockenheit immer schwieriger unter Kontrolle zu bekommen.

[11:10]
Wir haben hier in Deutschland immer noch die Tatsache, dass wir unter der Hitze ächzen. Heute hatten wir wieder über 30 Grad. Was dazu kommt: Es ist extrem trocken. Es ist so trocken, dass mittlerweile der Rhein auf Grundwasser läuft. Letzte Woche wurde erwogen, das LKW-Fahrverbot sonntags aufzuheben. Das ist jetzt auch geschehen. Durch das Problem, dass der Rhein zu wenig Wasser hat, damit Güterschiffe fahren können, steigt jetzt auch der Benzinpreis weiter, weil Benzin mit Schiffen transportiert wird.

[12:45]
Wir sind momentan in einer Phase, wo wir die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommen. Die Sommer werden immer heißer und trockener. Es kommt zu Waldbränden und zu dramatischen Situationen wie an den deutschen Flüssen. Da kommen Geschichten raus, wie dieser Wehrmachtswagen, den sie in der Donau gefunden haben. Hinsichtlich der Zukunftsperspektive werden wir uns fragen müssen, ob das allgemein im Sommer möglich wird. Die Tendenz ist nicht, dass es in Zukunft besser wird.

[14:10]
Wie können wir uns darauf vorbereiten? Es gibt die eine Sache, dass viele Leute sagen, Klimaanlagen aufbauen, den Güterverkehr auf die Straße setzen. Aber der Effekt davon ist, dass wir wieder noch mehr CO2 produzieren. Ich war auch schon kurz davor, mir eine Klimaanlage zu kaufen. Das Problem ist nur, dass du die richtig guten nicht mehr kriegst, weil die alle schon vergriffen sind. Die anderen machen ein Geräusch, da möchtest du gar nicht dabei sitzen. Ich bin viel im Homeoffice unterwegs und überlege mir, ob ich mir einfach einen Ventilator hinstelle, der mir ein bisschen Luft zufächelt.

[15:50]
Wir müssen in allen Formen resilienter werden. Das mit den Ventilatoren finde ich gar nicht schlecht. Ich glaube, es gibt gewisse Bereiche gerade in Deutschland oder Nordeuropa, wo man in Klimaanlagen investieren muss: Krankenhäuser, Altenheime, wo die Leute gesundheitlich schwer angeschlagen sind. Dass du auf diese Klimaanlage verzichtest, finde ich aus Umweltschutzgründen gut. Aber ich habe über die Jahre gemerkt, dass du dir keinen Gefallen tust, wenn du in klimatisierten Räumen von 18 Grad rumläufst, wenn es draußen 35 Grad sind. Wenn du dann rausgehst, kriegst du so einen vor die Nase gehaut.

[17:25]
Wenn du eine schrittweise Anpassung durchmachst, ist das besser. Mit dem Ventilator spürst du die Hitze, hast aber andere Mechanismen. Das führt in Zentralspanien oder in Portugal dazu, dass die Leute ab 14 Uhr nicht auf die Straße gehen und dann um 18 Uhr wieder. Um 22 Uhr räumen sie ihren Stuhl auf die Gasse und sitzen da rum, weil es angenehm ist. Das sind Veränderungen, die wir vielleicht auch in Deutschland erleben werden.

[18:40]
Ab welcher Temperatur passiert es so wie bei uns in Deutschland, dass man darüber im Funk und Fernsehen berichtet? Es gibt eine gewisse Teilung in Portugal. Das Landesinnere liegt nicht mehr im starken Einfluss des Atlantiks. Der Atlantik ist wie unser Eisfach direkt vor der Haustür. Wir haben in Sintra konstant seit zwei Monaten 26 Grad. Aber im Landesinneren ist ab Mitte Juni alles immer über 30 Grad. In den nächsten Tagen sind es auch mal 38 oder 39 Grad. Wenn in Lissabon über 35 Grad sind, ist das ein Thema. Dann sind es hier über 40 Grad. Das ist meistens gekoppelt an das extreme Waldbrandrisiko.

[20:15]
In Deutschland gab es in diesem Jahr ganz viele Brände. Der große Unterschied ist die Beschaffenheit des deutschen Waldes, der insgesamt feuchter ist. Durch die Laubbäume und die verschiedenen Schichten hast du mehr Feuchtigkeit drin, deshalb sind die Brände leichter zu löschen. Wenn du hier in Portugal diese Eukalyptus- oder Kiefernwälder hast, die im Sommer austrocknen, ist das so entzündbar, dass du es nicht mehr unter Kontrolle bekommst.

[21:30]
Hoffen wir mal, dass bald Regen in Sicht ist. Für Mitte nächster Woche soll Regen angesagt sein. Das reicht natürlich bei Weitem nicht, um den Rhein flott zu machen, aber es wäre eine leichte Entspannung. Man freut sich schon, wenn die Temperaturen in der Nacht in den einstelligen Bereich gehen. Ich habe Nächte erlebt in diesem Sommer, wo ich nicht unter 25 Grad war. Wenn es nachts nicht abkühlt, fängt der Körper an zu sagen: So nicht.

[22:50]
Wir machen an der Stelle den Deckel drauf. Man kann es auch positiv sehen, dass wir einen so schönen sonnigen Sommer hatten. Wir müssen uns daran erinnern und uns darauf vorbereiten, dass das immer wieder kommen kann. Wir müssen das ernst nehmen. Der Klimawandel ist da. Ich würde dazu noch hinzufügen: einfach mehr Bier trinken, weil das Bier auch abkühlt. Außerdem tut man was für die Wirtschaft, weil ganz viele Bierbrauereien in den letzten Jahren zumachen mussten. Wir wünschen euch noch schöne Tage. Tschüss.