Traditionell schauen wir in der letzten Folge des Jahres noch einmal auf das vergangene Jahr zurück. Was bleibt? Was kann weg? Und das natürlich auch mit unseren Kategorien „Ereignis des Jahres“, der „Fauxpas des Jahres“, das „Comeback des Jahres“ und der „Mensch des Jahres“. Das Ergebnis ist eine ausgewogene Mischung, die unserer Meinung nach einen guten Querschnitt darüber gibt, wie das vergangene Jahr ausgesehen hat. Und wie immer wissen wir natürlich auch nicht, was der andere in der jeweiligen Kategorie ausgewählt hat.
Shownotes:
Arvarus Wit Bières
Jahresrückblick 2025 – Das ultimative Quiz
25 Gründe, warum das Jahr gar nicht so schlecht war
Transkription:
00:00
Ja, Tilo, das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir treffen uns noch mal auf zwei Bier hier am längsten virtuellen Tresen der Welt.Du irgendwo da wieder im Landesinnern, richtig?
00:14
Genau, ich schaue hier gerade aus meinem Fenster hinaus auf die grünen Weiden des portugiesischen Hinterlandes, weil hier hat es viel geregnet und jetzt haben die Schafe wieder was zu beißen, bevor sie unter das Schlachtermesser kommen. Genau. Ja, es ist schön hier. Es ist noch so ein bisschen Restsonne da.
Bei dir ist es ja schon dunkler, glaube ich, aber das liegt ja auch daran, dass ich so geschätzt 2300 Kilometer weiter im Westen bin.
00:43
Genau richtig. Und da kommen wir auch … Eigentlich versuche ich jetzt knallhart irgendwie rüberzuschwenken zu dem Thema, wo wir eigentlich ja hinwollen.
Heute soll ja wieder unser alljährlicher Jahresrückblick stattfinden und dementsprechend habe ich mich mal in den Google Trends umgeschaut. Du weißt, was die Google Trends sind, oder?
01:05
Ja, ich habe schon mal was von gehört.Erzähl mal für alle, die keinen Google kennen.
01:09
Okay, die Google Trends sind praktisch die Suchbegriffe des Jahres beziehungsweise was hat Google so aufgeschnappt? Was wurde am meisten gesucht? Welche Fragen, welche Begriffe, welche Schlagzeilen, welche Serien und so weiter und so fort.
Und das habe ich mir jetzt mal aufgemacht und da schauen wir doch mal zum Beispiel in die allgemeinen Suchbegriffe rein. Und da ist auf Platz zehn Labubu. Sagt dir das was?
01:50
Nein, ich kenne nur Labum.Das war irgendwie so ein filmfranzösischer, halberotischer Film aus den 80er Jahren.Halberotisch?
02:00
Ja, also La Bubu, das sind solche Tierchen aus Japan, die im Moment beziehungsweise in diesem Jahr einen riesen Hype in Deutschland erlebt haben und wahrscheinlich auch in Portugal, weil wir sind da jetzt, glaube ich, nicht groß unterschiedlich. Und dementsprechend waren sie natürlich auch am meisten gesucht, weil sie sind auch teilweise sehr, sehr teuer.
Da darfst du auch irgendwie mal ja durchaus anstehen, wenn du dir so ein Stofftierchen kaufen möchtest. Kannst du ja mal googeln beziehungsweise ich kann es auch mal verlinken, Labubu, also L-A-B-U-B-U. Die sind nicht gerade günstig. Und was auch interessant ist, ist übrigens die Fragen. Ich weiß nicht, wie du mit Google umgehst, aber es gibt ja viele Menschen, die schreiben einfach, gerade jetzt in KI-Zeiten, schreiben einfach ihre Frage in das Suchfeld rein und bekommen dann die Antwort.
03:03
Ja, das kenne ich.
03:04
Und da gibt es auch „Warum, was ist und wie fragen, unter anderem bei Google und in den Google Trends – es gibt auch noch andere, zum Beispiel „Was bedeutet oder wird fragen zu 2026, aber bei den Warum fragen, da bin ich wirklich auf was gestoßen. Das hat mir wirklich … Das waren die wichtigen Themen dieses Jahr.
Auf Platz zehn bei den Warum Fragen für Deutschland: Warum ist Le Coq in Haan geschlossen? Le Coq scheint ein Restaurant zu sein und Haan mit zwei A geschrieben ist ein Ort in Deutschland. Und Platz zehn ist: Warum ist Lecoq in Haan geschlossen? In ganz Deutschland, das ist die am 10. Warum-Frage: Was ist bloß falsch hier in Deutschland? Ich weiß es nicht.
04:00
Ich weiß es auch nicht, aber Henning, bevor du diese Sendung im Alleingang machst und mal dieses 20/80-Verhältnis, was wir sonst immer im Podcast haben, schon im Intro praktisch einführst und umdrehst, würde ich sagen, trinken wir erst mal ein Bier, oder?
04:14
Ja, genau.Wir machen mal ein Bierchen auf.
04:45
Die letzte feierliche Ausgabe der Jahresrückblick 2025 von „Auf zwei Bier mit Tilo Wagner in Portugal.Hallo Tilo.
04:55
Hallo Henning.
04:56
Und mit mir. Mein Name ist Henning Schwörer, hallo.
Und ich habe gerade natürlich auch noch mal nach Portugal bei Google Trends geguckt. So gut ist leider mein Portugiesisch nicht, dass ich jetzt die Rubriken irgendwie erkennen könnte. Ich weiß nur, dass bei Programmen, Serien und Filmen, Anora auf Platz eins ist, was das auch immer sein mag.
05:16
Da habe ich auch keine Ahnung.
Und weil wir ja momentan in so einem leichten Low Profile Tech Format unterwegs sind und du deinen Bildschirm nicht mit mir teilen kannst, weil ich nämlich wieder auf dem Land bin und da wieder jegliche unserer sonstigen Studiokonzepte auseinanderbrechen, kann ich dir das jetzt auch nicht übersetzen, was da bei Google Trends auf Portugiesisch steht, aber es wird wahrscheinlich ähnlich sein wie dieses Le Coq-Restaurant.
05:45
Da das in der Rubrik „Programme, Serie und Filme war, habe ich gerade mal draufgeklickt und bin jetzt etwas schlauer: Anora ist ein US-amerikanischer Spielfilm und der scheint relativ erfolgreich gewesen zu sein in Portugal.
06:02
Ja, das liegt wahrscheinlich daran, dass Norda heißt ja im Portugiesischen auch, ähm, ähm, Schwiegertochter, ja?
06:15
Das kann natürlich sein.
06:17
Und, und, und du weißt ja, wie, äh, wie hart und wie, äh, verbunden die portugiesischen Familien miteinander sind. Da ist es eigentlich egal, was in dieser Serie drin ist.
Wenn das Ding Nora heißt, dann schauen das alle Mütter auf jeden Fall.
06:29
Stimmt. Wie ist es eigentlich … Noch eine Sache, damit ich wirklich allen Content, den ich mir aufgeschrieben habe, wirklich hier irgendwie unterbekomme in unserer Sendung.
Wie ist es eigentlich mit dem Trend des Jahres, den wir, äh, gar nicht, überhaupt noch nie in, äh, dieser, äh, Serie besprochen haben? Also den Trend des Jahres, den gibt’s bei uns hier nicht als, äh, Rubrik. Äh, Pudding mit Gabeln essen. Ist das bei euch in Portugal auch angekommen?
06:56
Puh.
06:58
Ich seh schon.Ich hau dich, äh, im Jahresrückblick noch mal so richtig um.Das ist echt …
07:06
Ja, voll mit Content, mit knallhartem Content und politischer Analyse.
07:12
Tja, wenn du mal bei deinen, äh, jungen Fraktion da zu Hause mal richtig ankommen willst, ja, dann, äh, legst du dir einen Pudding hin, und zwar mit ’ner Gabel, weil Pudding mit Gabeln essen, das ist hier in Deutschland der letzte heiße Scheiß.
07:29
Also, normalerweise im Restaurant isst man ja relativ viel Pudding in Portugal. Ähm, und ich glaub, das hängt dann davon ab, was das Restaurant so noch für Gabeln und Messer und Löffel zur Verfügung hat, was du dann dazu bekommst.
Also, ich esse den eigentlich schon eher mit Löffel.
07:47
Ja, das ist schon klar.
07:48
Vielleicht ist es ja auch irgendwie sone asiatische Variante.So, wir verkomplizieren das mal.
07:53
Das soll die Geselligkeit son bisschen fördern.
07:56
Ach so, weil man länger braucht?
07:58
So sieht’s aus.
08:00
Sehr cool.Ja, man kann ja auch einfach, äh, mit gar nichts also den, äh, Pudding servieren.Also man guckt dann nur auf den Pudding drauf.Das dauert auch länger.
08:11
Ja, das würde das extrem verlängern, um es mal so zu sagen. Ich glaub, wir sollten anfangen, und zwar direkt mit ’nem Bier, bevor wir uns jetzt, äh, wirklich, äh, irgendwo verhaspeln noch bei irgendetwas.
Ähm, hast du heute ein schönes Bier für uns parat?
08:27
Fang du doch mal an, weil ich hab was anderes.
08:30
Okay, also ich hab noch mal in den Tiefen gekramt.Du kennst mich ja.Ich hab ja, ähm, doch, doch so einige, ähm, wie sagt man da?
08:42
Schätze im Garten verbuddelt.
08:44
Genau, Vorräte noch und, äh, viele Vorräte zum Beispiel auch noch aus dem, äh, Sommerurlaub aus der Bretagne. Und da hab ich jetzt ein Bier mitgebracht, das heißt Arvarus und, ähm, ist ein Witbier mit fünf Komma fünf Prozent und auch das ist von einer Craft Brauerei. Ähm, ja, und, äh, muss ordentlich ballern, ums mal so zu sagen. Ich bin mal gespannt, was das, äh, mit mir anrichtet.
Ähm, das hab ich mir für besondere Anlässe aufgehoben und ich würd mal sagen, das jetzt ist ein ganz besonderer Anlass. So, und jetzt du.
09:26
Ja, und ich, ich bin heute mal mit einem Thymian-Tee vorbei, äh, dabei.
09:32
Ach was?
09:33
Genau.
09:34
Dass wir das noch mal erleben, dass wir eines Tages dann doch mal zusammen irgendwann ein Bier trinken.
09:40
Du meinst, um dem, äh, Podcast alle Ehre zu machen, dem Podcast-Namen? Ja, das könnten wir uns mal, könnten wir uns mal darauf verabreden. Nee, ich erklär das mal. Und zwar liegt es jetzt nicht daran, dass ich krank bin. Ich, äh, klopf hier noch mal auf Holz, weil das muss man ja die Tage, weil, äh, so gefühlt, äh, kriegt ja momentan jeder irgendwie mal die Grippe ab. Ähm, unter anderem auch, äh, mein Sohn und meine Tochter. Also es ist schon sehr nah an mich herangerückt, aber bisher hab ich das alles noch wegfighten können.
Ähm, es liegt nicht daran, sondern es liegt einfach daran, dass ich so vollgefressen bin. Echt. Was ich alles gegessen hab in den letzten Tagen. Und, äh, normalerweise ist man ja erst dann … Man muss ja dann noch Neujahr abwarten eigentlich. Da muss man sich ja noch mal vollfressen und noch mal trinken und keine Ahnung. Und dann kommt ja eigentlich für viele erst die Fastenzeit oder die, die Entschlackungszeit oder was für n– was auch immer, ja. Da gibt’s ja so viele Leute, die das mittlerweile einführen, so ’nen Monat oder zwei, äh, kein Alkohol, weniger Essen und so weiter. Ähm, ich weiß nicht, ob ich das so richtig machen werde, aber, ähm, ich hab jetzt gesagt, bevor Neujahr kommt, leg ich jetzt schon mal son kleines, ja, son kleines Entschlackungsmoment ein. Ähm, und dazu gehört dieser Tee. Äh, verzeiht mir, dass das heute eigentlich nur auf ein Bier heißen darf, auf ein Bier und einen Tee, aber wir hatten’s das letzte Jahr, letzte Mal ja andersrum. Also insofern sind wir quitt, Henning.
11:08
Ja, das stimmt allerdings.Sind wir jetzt quitt.Ich mache jetzt einfach das Bier mal ganz schnell auf und dann, äh-
11:16
Mach das.Anstoßen können wir trotzdem.
11:19
Ja, Sekunde mal.Muss das ja erst mal hier …
11:28
Da sollte eigentlich auch niemand reinreden in diesem Moment, wenn du das eingießt, das mit dem Gläse klappern und so. Das ist schon– Das macht eigentlich auch den Podcast aus, son bisschen Podcast aus, son bisschen Abbruch im Hintergrund.
11:39
Genau.In, in fünf Jahren, dann schneide ich mal alles geklacker aneinander.Und dann wird’s dann irgendwie wahrscheinlich ein Podcast werden, wo es nur klackert.Aber ist egal.
11:49
Oder ein Techno-Song.Gut.
11:51
Oder ’n– Ich sag mal Prost.
11:53
Prost.
11:54
Ah.Ja, doch.Kann man machen.Das schmeckt sogar gut.Das schmeckt sogar gut.Vorher rückst.
12:02
Schmeckt es nach Sommer noch so ’n bisschen?Erinnerst du dich, wie du damals auf deinem Camping-Stuhl, äh, irgendwie in die Walachei geschaut hast?
12:11
Also so ein bisschen schmeckt es nach Sommer, ja, obwohl ich … Ja, doch. Es hat was von Sommer. Ich versuche jetzt bloß gerade, die … Da sind noch ein paar Bröckchen drin, die versuche ich noch ein bisschen so …
12:23
Ja, während du die mal da rauswischt. Also Sommer und das kommt, schnall dich an wegen dieser Überleitung. Sommer, das gehört ja auch zu dem Jahr 2025, Henning. Ja.
Und wir wollten ja nicht nur auf den Sommer zurückblicken, sondern auf das ganze Jahr. Und da haben wir uns ja auch wieder unsere Kategorien überlegt: Das Ereignis des Jahres, das Fauxpas des Jahres, das Comeback und der Mensch des Jahres. Richtig. Und die wollen wir jetzt so ein bisschen abarbeiten und ich weiß nicht, mit was du anfangen willst. Du hast dich ja so heute vorbereitet, dass ich das richtig spüre. Ich sehe es ja diesmal nicht, aber ich spüre das, dass du da so ein Packen Papier auf deinem Schreibtisch liegen hast und der wird jetzt eins nach eins abgearbeitet.
13:13
Ich muss das alles erst mal beiseite räumen hier, je nachdem, mit was du anfangen möchtest. Nein, jetzt mal ernsthaft.
Also ich würde mit dem Ereignis des Jahres anfangen beziehungsweise du fängst einfach mal mit dem Ereignis des Jahres an. Ich habe heute schon genug geredet und im Endeffekt können wir dann halt einfach mal gucken. Danach sage ich Ereignis des Jahres und dann kommen wir zur nächsten Kategorie. Wie wäre es damit?
13:41
Sehr schön. Das finde ich gut. Dann fange ich sofort an.
Und bei Ereignis des Jahres habe ich mir ausgedacht oder ausgewählt, der Rechtsruck weltweit, und zwar auf politischer und ideologischer Ebene. Wenn man dazu noch ein paar Worte verlieren möchte, dann folgendes: Also natürlich an erster Stelle Trump. Das fällt uns allen ein, der natürlich mit seiner Agenda, mit seiner politischen Agenda ganz stark versucht, hier ein fast schon in gewissen Zügen autoritäres Regime auszubauen und der auch im Unterbau, also im ideologischen Unterbau, versucht, die Pfeiler der liberalen Demokratie anzusägen und teilweise abzubauen. Also das haben wir zum Beispiel bei diesem Strategiepapier der USA jetzt vor ein paar Wochen gemerkt oder gleich am Anfang der neuen Legislaturperiode oder der neuen Regierungszeit unter Trump mit diesem sagenhaften Auftritt von G. D. Vance auf der Sicherheitskonferenz in München. Da geht es also eben nicht nur darum, dass rechtspopulistische, teilweise rechtsextreme Parteien an die Macht kommen und politische Agenda bestimmen, sondern dass sie eben auch versuchen, ganz klar gegen gewisse Prinzipien und Ideen vorzugehen, die in den letzten Jahren doch auch unser aller Leben irgendwie bestimmt haben. Und zwar, dass wir eben versucht haben, eine Welt zu werden, die irgendwie in ihren größten Anstrengungen versucht, den Klimawandel aufzuhalten, die versucht, die gleichen Rechte für die größtmögliche Masse an Menschen zu schaffen, also Menschenrechte, aber eben auch Rechte für Menschen mit anderer sexueller Orientierung und so weiter. Dass alles zusammengefasst, ist ja dieses Schlagwort „Vogue unter das eben die Rechtsextremen praktisch alles packen, was in den letzten Jahren so ein bisschen aufgebrochen wurde, die alten Strukturen dieser verkrusteten Gesellschaft aufzubrechen und eben sie zu öffnen für andere und anders denkende Menschen. Das bezieht sich, geht natürlich auch mit auf die Migration, auf die Einwanderung, auf die Idee einer multikulturellen Gesellschaft. Und diese ganzen Geschichten werden eben jetzt von rechts in so einer harten Weise angegangen. Und das betrifft eben nicht nur die Leute, die direkt in der Regierung sitzen, sondern das zieht sich halt bis in die konservativen Kreise unserer Gesellschaft rein. Also das kann man in Portugal auch in dem einen oder anderen Publikationsorgan merken, wie zum Beispiel der Online-Zeitung Observador, die da immer jetzt … Portugal hat ja auch einen Regierungswechsel gegeben und einen Rechtsruck auf politischer Ebene. Und den Unterbau bilden halt Publikationsorgane und rechte Ideologen, die eben jetzt gegen diese sogenannten Woke-Ideen vorgehen und sie kleinhauen wollen und damit gleichzeitig auf einer gleichen Ebene wie Trump sich befinden.
Aber im nächsten Beitrag, wenn es die Sicherheits-und Außenpolitik von Trump geht und die natürlich gewisse Prinzipien der NATO oder der EU oder anderer Prinzipien der internationalen Kooperation infrage stellen, dann sind sie wieder gegen Trump.
17:34
Also da ist so ein großer Widerspruch, scheinbarer Widerspruch drin, wo sich die Leute eben, wo die Leute Teil einer ideologischen Welle sind, die gegen diese sogenannten Woke-Ideen vorgehen, aber dann eben noch ein bisschen sich an das alte Amerika erinnern, was dann aber … Da stoßen sie selbst auf irgendwelche Widersprüche, weil sie mit der Trump-Handelspolitik zum Beispiel nicht zufrieden sind oder keine Ahnung was. Und sie merken nicht, dass sie selbst – oder vielleicht merken sie es, aber wollen es nicht zugeben – dass sie Teil einer Welle sind, die ehm.Ja, äh, sich den ganzen Globus spannt als, als letztes Beispiel Chile noch: politischer Rechtsruck. Auch da ein Rechtsextremer an, in, in das Amt des Präsidenten gewählt. Äh, und man könnte jetzt noch tausende Beispiele nennen, aber das reicht, glaube ich, fürs Erste.
Und Henning, ich überlasse dir das Wort. Was ist dein Ereignis des Jahres zweitausendfünfundzwanzig?
18:33
Hu, äh, hol mal Luft. Das ist ja fantastisch.
Also noch da, äh, da, äh, dem, äh, hin, hinzuzufügen, äh, kurz, äh, noch mal als, äh, Statement von mir: Ich hab in einer der fünfzig Jahresrückblicke, die ich mir für, äh, diese, äh, Sendung hier, äh, angeschaut habe, äh, hab ich- Was?
18:58
Not sagen die Amerikaner da, wenn sie das…
19:01
Ach so.
19:02
Wenn sie sagen wollen, dass du es nicht getan hast.
19:03
Ach so, nee, doch, hab ich. In einen, äh, der Jahresrückblicke hab ich, äh, einen tollen Satz gehört. Den fand ich eigentlich, äh, ganz bemerkenswert.
Mm, das Gute an der zweiten Amtszeit von Trump ist: Er zeigt uns, was wir im eigenen Land nicht haben wollen. Das, wenn man … Also, es ist wirklich so, weil wir wirklich einfach … Und ich denke, gerade auf, auf den Rechtsruck und auf, äh, Trump kommen wir wahrscheinlich im Laufe dieser Sendung noch das eine oder andere Mal zu sprechen, weil er natürlich, äh, ja, mit das ganze Jahr international auch geprägt hat und dementsprechend wir natürlich das Ganze auch, äh, immer wieder, äh, politisch das an der Stelle irgendwie kollidiert. Und, ähm, ja, und ich finde, das ist eigentlich aber ein passender Satz dafür, wie, ja, wie man das Ganze irgendwie so ein bisschen auch zusammenfassen kann für diejenigen, die, die dem, in, äh, die ja nicht so wahnsinnig von begeistert sind, äh, was da gerade in Amerika passiert.
20:09
Das ist gut. Das, find ich, in, ist eigentlich ein ganz, ganz, äh, schicker Hinweis und, äh, der zeigt im Prinzip auch genau das, äh, was, was wir, was wir eben schon gesagt haben.
Also wenn wir eben nicht wollen, dass es so weit kommt, müssen wir unsere Hausaufgaben machen und das bedeutet eben nicht, dass wir, äh, gewisse Grundpfeiler, äh, des menschlichen Überlebens, wie die Menschenrechte oder den Kampf gegen den Klimawandel einfach über Bord schmeißen.
20:37
Richtig. Da hast du vollkommen recht.
Ähm, ich komme einfach, äh, mal zu meinem Ereignis des Jahres und, äh, ich bin da ja immer so ein bisschen purpose-driven unterwegs. Ähm, du bist ja mehr so, wie sagt man da? So, ähm, überregional. Ich bin da mehr so lo– fast lokal unterwegs, und zwar, ähm, die Bundestagswahl, das ist ja mehr national. Die Bundestagswahl dieses Jahr, das war mein Ereignis des Jahres, weil es eigentlich auch wieder so ein bisschen, ja, äh, zeigt – und da, äh, schließe ich mich eigentlich auch so ein bisschen an dein Ereignis des Jahres an –, aber das zeigt ja auch so ein bisschen, in welcher, ähm, in welcher Zeit wir leben, ja?
21:24
Absolut.
21:24
Eigentlich, äh, sollte Friedrich Merz am fünften Mai zwanzig fünfundzwanzig zum Bundeskanzler gewählt werden. Ist er auch, aber er hat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit, äh, von dreihundertsechzehn Stimmen leider verpasst und, ähm, dadurch, äh, halt nicht die notwendige Unterstützung gefunden und, ähm, ja, also nicht die absolute Mehrheit.
Und erst im zweiten Wahlgang erreichte er dann mit dreihundertfünfundzwanzig Stimmen die absolute Mehrheit und wurde gewählt. Und, äh, da gingen natürlich dann, äh, ja so ’n die, das große Fragen, äh, durch, durch ganz Deutschland. Äh, ja, w-w-wo sind diese sechs Stimmen oder wo kommen die her? Und, äh, es gibt doch ’ne Koalition, die hätten das doch… Das müsste doch eigentlich laufen. Und wieso, äh, muss man bei so einem, äh, wichtigen Moment eigentlich so ein Zeichen setzen, dass, äh, ja, dass der Kanzler, also der ja eigentlich dann schon an der Stelle wirklich gesetzt war, dass der nicht gewählt wird? Tilo, hast du eine Antwort da drauf?
22:37
Ähm, ja, ich kann mich erinnern, dass wir das auch schon natürlich, ähm, äh, wir sind ja aktuell unterwegs und das auch in einem Podcast, äh, aufgegriffen haben. Ich glaube, es hat schon ein bisschen was mit dem Charakter und dem Menschen Friedrich Merz zu tun, der wahrscheinlich auch einfach in die eigenen Reihen, also in diese, ähm, christlich, äh, also CDU-SPD-Koalition, ähm, nicht mit all seinem herausragenden Charme wirken konnte und, äh, dass ihm da der eine oder andere einfach noch so ’n Schuss vor den Bug setzen wollte, das, äh, kann ich, äh, durchaus irgendwie nachvollziehen, zumindest, äh, was diese inneren Konstellationen auch betrifft, auch innerhalb der CDU/CSU, die ja auch nicht alle auf einer Linie schwimmen.
Also ich glaub, äh, das ist ’n, ist auf jeden Fall ’n, ’n starkes Ereignis, äh, was einfach einen symbolischen Wert hat, wie du ja auch gesagt hast. Es zeigt so ein bisschen diese Unsicherheit, diese Zeit, in der wir sind, in der selbst eine Koalition, die de facto eine Mehrheit hat, ähm, immer wieder darum bangen muss, überhaupt irgendwie regierungsfähig zu sein.
23:48
Genau. Und das ist eigentlich in, in solchen Zeiten das Allerwenigste, was wir irgendwie gebrauchen können. Und, ähm, deswegen, äh, hoffe ich einfach auch fürs nächste Jahr, dass es da ein bisschen besser wird. Äh, vor allem, äh, erst mal hier in Deutschland und, äh, dann schauen wir mal weiter, wie’s, äh, national weitergeht, äh, bezo– wie’s international weitergeht. Äh, da bin ich im Moment so ein bisschen skeptisch.
Hab so, gerade was Amerika natürlich angeht, so ein bisschen-Gemischte Meinung, aber ich sage mal, da kommen wir gleich noch zu. Tilo? Mach du doch mal weiter mit dem Fauxpas des Jahres. Dann kommen wir nämlich jetzt gleich zur zweiten Kategorie.
24:29
Absolut. Ich meine, diese Bundestagswahl hätte natürlich auch der Fauxpas des Jahres ist zumindest der erste Wahlkampf ja sein können. Ähm Aber ich habe, ähm, ich habe so ein bisschen unentschieden.
Ich will nur mal sagen, dass dieses Signalaffäre von dem US-Verteidigungsminister, als er einen Atlantic Journalisten mit in eine Chat Group eingeladen hat, um zu verkünden, dass die USA Jemen bombardieren wird. Das fand ich schon ganz weit oben als möglichen Fauxpas, aber ich habe mich dann doch noch mal auf ein portugiesisches Event konzentriert und das schließt die rechts populistisch rechts außen rechtsextreme Partei Schega ein. Ähm, und zwar gab es einen Moment, als der Staatspräsident Marcello Rebelo de Sousa von, äh, Frank-Walter Steinmeier eingeladen wurde nach Berlin und, äh, nach Berlin geflogen ist, um dort, äh, auf Staatsbesuch zu sein und dann zusammen mit Steinmeier auf einem Bürgerfest, was der Bundespräsident immer im Spätsommer, Ende September oder sowas, äh, veranstaltet, ähm, praktisch mit Steinmeier zusammen über dieses Bürgerfest zu laufen und halt den Kontakt zu den Menschen zu suchen. Und da hat die Schegerpartei in Portugal davon Wind bekommen, mitbekommen, hat wohl das Programm gelesen und hat dann, äh, eine offizielle Protestnote abgegeben und im Parlament praktisch eine, äh, sich dagegen, also gegen diesen Staatsbesuch gestimmt, weil sie und das war die Begründung gesagt haben, es kann doch nicht sein, dass der, dass wir der portugiesische, äh, die portugiesischen Steuerzahler finanzieren, dass der portugiesische Staatspräsident nach Berlin reist, um Hamburger zu essen. Die haben nämlich gedacht, das wäre kein Bürgerfest, sondern ein Burger-Fest.
26:40
Ach du na?
26:44
Weil die nicht wussten, was Bürger heißt, mit den zwei, äh, ü-Pünktchen obendrauf, weil das einfach blöde Rechtspopulisten sind, die einfach nur wieder Show machen wollten und, äh, das Parlament in, in Schach halten mit ihrer dumpfen Ideologie von den Staatsrepräsentanten, die den Steuerzahler ausnehmen. Diese ganze Diskussion und diesen ganzen Diskurs kennen wir ja auch von allen Rechtspopulisten, ähm, haben sie gesagt, das kann ja nicht sein, dass der wegen einem Hamburger essen nach Berlin fährt.
Ja, dann kam natürlich raus, dass es ein Bürgerfest ist, ein ʻuma festa de cidade‘ auf Portugiesisch. Und als das rauskam, war natürlich der Jubel von allen Leuten, die gegen diese Rechtspopulisten sind, enorm groß. Ich habe echt Leute, von Leuten, ähm, es hat mir noch nie passiert in, in Portugal, dass ich praktisch von Leuten, die ich so im beruflichen Umfeld, mit denen ich zu tun habe, äh, irgendwelche Presseleute von irgendwelchen Anwaltskanzleien oder von irgendwelchen Profs an irgendwelchen Unis oder sowas. Die haben mir WhatsApp Nachrichten geschickt und haben geschrieben: „Tilo, hast du das gesehen? Du musst was darüber machen“. Weil die das alles so witzig fanden, dass die in diese Falle, was heißt in diese Falle, in diese Blödheit, in ihre eigene Blödheit gestolpert sind und so hingefallen sind. Das war für mich natürlich ein sehr erfreulicher Fauxpas des Jahres.
28:20
Ja, also das ist wirklich, habe ich gar nicht mitgekriegt. Es ist wirklich ein ziemlicher Fauxpas.
Ich weiß gar nicht, ob ich da jetzt mit meinem, äh, Fauxpas überhaupt noch irgendwie. Ich bin ja mehr so, wie soll man sagen, ich bin ja mehr so für den Boulevard hier bei uns, bei auf zwei Bier zuständig. Ja, genau. Und deswegen habe ich mir gedacht, äh lege ich einfach die Bundestagswahl auf Ereignis des Jahres und mach was anderes zum Fauxpas des Jahres. Obwohl, wie du schon richtig gesagt hast, der Fauxpas des Jahres hätte auch die Bundestagswahl sein können, richtig? Aber ich habe mir gedacht, wie gesagt, Boulevard first. Ich ziehe den Boulevard jetzt mal so ein bisschen vor und ich habe die Kiss Cam als Fauxpas des Jahres gewählt. Du weißt, was die Kiss Cam ist?
29:16
Nein.
29:17
Nein. Gut, ich erkläre es dir. Ähm, es begab sich aber zu der Zeit bei einem Coldplay Konzert im Juli. Ähm, da gibt es eine sogenannte Kiss Cam, die junge Verliebte im Publikum zeigt. Und unter anderem wurde dabei der CEO eines Tech Startups, namentlich Andy Byron, mit seiner Personalchefin Christine Gabit. ÄhJa, von der sogenannten Kiss Cam erwischt. Ja, und, äh, entgegen dem, was man normalerweise eigentlich denkt, was bei so einer Kiss Cam passiert, äh, als sie sich selber halt auf der Leinwand gesehen haben, äh, haben sie versucht sich zu verstecken und, äh, äh, haben sich irgendwie umgedreht. Ja, und, äh, das entsprechende Handyvideo dazu ging absolut viral und, äh, sowohl, äh, Byron wie auch, äh, seine Personalchefin haben ihre Jobs verloren.
Und, ähm, ja, das war wirklich eine kuriose Geschichte, zumal ich jetzt, äh, mittlerweile auch zwischendrin mal gehört habe, dass die beiden ja nicht, äh, irgendwie im Publikum standen. Also, äh, es war jetzt nicht so, dass die im Unterraum standen und da die, äh, Kamera irgendwie durch die, durchs Publikum gescannt hat, sondern die hatten einen Logenplatz. Also die konnte man irgendwie zehn Meter gegen den Wind also wirklich sehen, ohne dass man da irgendwie große Probleme bekommt. Und deswegen war er halt auch, waren sie halt auch so gut von der Kamera zu sehen. Ähm, es ist halt so ein bisschen unklug, wenn man irgendwie betrügen möchte, wenn man sich dann, dann irgendwie noch n sehr exponierten Logenplatz bei so einem Konzert besorgt. Ähm, die Downside-Geschichte dazu ist, dass in diesem Monat auch, also jetzt, ähm, im Dezember, es noch mal ein Interview mit der Personalchefin gab und, ähm, die darüber berichtet hat, dass es wirklich für sie persönlich sehr viele negative Konsequenzen gegeben hat. Beispielsweise hat sie Morddrohungen bekommen und ja, und diverse Onlinebelästigungen, was das jetzt auch immer heißen mag. Außerdem, ähm, ist es offentlich, offensichtlich so, dass beide getrennt gelebt haben und ihre Ehen aber noch nicht geschieden waren. Also deswegen, mm, ja, kann man halt geteilter Meinung sein, ob das jetzt wirklich so eine sinnvolle Aktion war oder nicht. Ähm, ich sag mal, wenn man als CEO, ja, irgendwie mit jemandem aus der eigenen Firma, äh, anbandeln möchte, ist es wahrscheinlich nicht so die klügste Idee. Rein, äh, rein, äh, jetzt von der, ähm, wie soll man sagen? Also da wurden keine Ehen dadurch zerstört, um es mal, um es mal so zu sagen, weil beide offensichtlich schon getrennt gelebt haben. Ja, also von daher so far so good. Aber, äh, ich glaube, alle Mitarbeiter wären froh gewesen, wenn sie’s irgendwie anders erfahren hätten. Von daher sage ich mal in puncto, äh, äh, Personalkommunikation, äh, an der Stelle der Fauxpas des Jahres an den CEO Andy Byron und seine Personalchefin.
32:36
Finde ich, ist ne, ist ne, ist auf jeden Fall, äh, ne, ne tolle Boulevard-Geschichte, Henning. Vor allem weil, äh, ich weiß jetzt nicht, ob das gewollt war, weil du ja praktisch fast schon das Comeback, Comeback des Jahres da mit drin hast wieder.
Du hast immer so, äh, du hast dir immer Ereignisse ausgewählt, die, äh für mehrere Kategorien möglich sind. Weil da könnten wir nämlich über das Comeback von Coldplay reden, oder?
32:59
Ja, gibt’s ein Comeback von Coldplay?Das hab ich dann verpasst.
33:04
Na ja, vielleicht waren sie drei oder vier Jahre nicht auf Tour, aber vielleicht waren sie auch nur ein halbes Jahr nicht.Na ja, vielleicht reicht es auch nicht fürs Comeback.
33:12
Ja, also ich glaub, das mit dem, mit dem Comeback, da hab ich mir was Besseres noch aufgehoben.
33:17
Dann erzähl mal.Was ist es denn?
33:19
Soll ich gleich weitermachen?
33:21
Ja, natürlich.
33:22
Okay. Ähm, Comeback des Jahres, äh, ist ganz klar. Also ich habe lange gesucht, öh, aber Comeback des Jahres ist, äh, Jimmy Kimmel.
Und, äh, da, äh, sind wir wieder beim Thema USA. Da sind wir wieder beim Thema Donald Trump. Ähm.
33:40
Sehr guter– Sehr gutes Comeback.Auf jeden Fall.Ich bin gar nicht drauf gekommen jetzt, äh.Ich hab auch lange überlegt, aber tatsächlich, das ist wirklich ein sehr gutes Comeback.Erzähl mal.
33:50
Also, also einfach nur mal zum Hintergrund: Am 10. September wurde der Aktivist, äh, Charlie, äh, Charlie Kirk erschossen. Der war ziemlich weit rechts, um es mal so zu sagen. Ja, und Kimmel hat praktisch am, in der darauffolgenden Sendung, äh, ja dieser Maga-Bewegung vorgeworfen, den Mord politisch zu instrumentalisieren und das halt praktisch in seiner Rede, in seinem Stand-up ein bisschen ausgeführt. Wobei es natürlich, isch sag mal, kein, äh, kein richtiges Stand-up war, ähm, weil’s ja jetzt nicht unbedingt was zum Lachen war.
Ähm, daraufhin wurde er ja über– das lief ja bei ABC in Amerika und der Mutterkonzern ist Disney. Und, äh, Disney hat dann daraufhin und auf Druck, muss man ganz klar sagen, auf Druck von, ja, ich sag mal politischen, äh, Einflüssen, ähm, hatte daraufhin der Mutterkonzern Disney die Sendung, äh, die, äh, Late-Night-Sendung von Jimmy Kimmel auf unbestimmte Zeit abgesetzt. Ähm, ja, und diese Entscheidung löste Boykottaufrufe gegen Disney aus, äh, unter anderem auch gegen Disney+, was Disney+, dem Streamingportal, wirklich Millionen gekostet hat jetzt im Nachhinein. Ja, und nach Gesprächen mit, äh, Kimmel kehrte der dann am 23. September wieder auf, äh, den Bildschirm zurück. Und, ähm, trotz allem, ähm, und trotz dieser Krise hat Kimmel jetzt im Dezember übrigens seinen Vertrag mit ABC um ein weiteres Jahr bis Mai 2027 verlängert. Ja, und für mich, wieso ich das jetzt so als Comeback des Jahres sehe, und das ist eigentlich so die Erkenntnis, mit der ich jetzt, äh, an, an dich gebe ins Gespräch: Äh, Pressefreiheit und Meinungsfreiheit ist ein kostbares Gut. Und das ist das, wo wir wieder bei, wo wir wieder bei dem Punkt sind, dass wir sagen, äh, wir kriegen da gerade gezeigt, was wir nicht im eigenen Land haben wollen.
35:58
Ja.Absolut. Ne, das ist auf jeden Fall eine spannende Geschichte gewesen.
Es kam ja dann auch völlig überraschend, dass Kimmel weitermachen durfte, weil wir ja schon in dieser, sagen wir mal, in dieser Haltung waren, dass alles, was da Trump los löst und ihm selbst nicht gefällt, er klein machen kann, ohne dass es irgendwelche Möglichkeiten gibt, ihm irgendetwas in den Weg zu stellen. Das ist ja auch nicht ganz wahr, weil es sehr viele mutige Leute auch in den USA gibt, die auf die Straße gegangen sind bei diesen No-Kings-Demos, aber eben auch sehr viele Richter vor allem. Das spielt sich ja viel an den US-amerikanischen Gerichts gerichten und Gerichtshöfen ab. Diese Entscheidungen, die teilweise ja die Verfassung verletzen und die dann praktisch einkassiert werden oder auch wieder umgekehrt und so weiter. Und das war für mich schon überraschend erst mal am ersten Moment, weil ich fast aus so einer letargischen Haltung heraus gesagt hat: „Okay, jetzt ist der auch weg.
37:11
Und das haben ja auch viele seiner Kollegen gedacht, dass sie jetzt als nächstes dran sind. Es gab ja auch solche Posts von Donald Trump, dass da jetzt dann darauf dann auch demnächst dann die nächsten, ich sage mal, Latenight-Stars nicht mehr auftreten werden. Steven Colbert hat schon freiwillig, sage ich mal, den Hut gezogen und wird demnächst nicht mehr on air sein. Also da ist wirklich einiges im Argen im Moment und ja, das ist wirklich schwierig, es mal so zu sagen.
Was ist denn dein Comeback des Jahres? Jetzt bin ich mal gespannt. Wenn das jetzt nicht Jimmy Kimmel ist, dann wir auch nicht.
37:56
Nein, es ist etwas ganz anderes.Und zwar, mein Comeback des Jahres ist der Verbrennermotor.
38:04
Ja, genau.Dafür liebe ich diesen Jahresrückblick, weil du da noch mal die Ecke denkst.Genau.
38:11
Genau. Also dieser Beschluss, es zielt natürlich auf diesen Beschluss der EU-Kommission ab, das Ziel für den Aus des Verbrennermotors, was ja eigentlich für 2035 angedacht war, auf massiven Druck, vor allem der deutschen Autoindustrie, eben bis ins Niemandsland hinein zu verlegen, ohne dass man jetzt weiß, ob das überhaupt kommt, ob es überhaupt ein Verbot gibt oder sonst was. Für mich ist es insofern ein Comeback des Verbrennermotors, weil es, glaube ich, allgemein eine gewisse Skepsis gegenüber, also dass die Skepsis gegenüber der E-Mobilität wächst weiter, dass eben auch keine Anreize geschaffen werden, umzusteigen, auch für Leute mit nicht so einem dicken Geldbeutel und dass sich gleichzeitig die deutsche Autoindustrie, die diesen E-Mobilitätsboom ja lange Zeit verschlafen hat, jetzt noch ein bisschen auf ihren alten Geschäftsideen ausruhen will. Ich halte das letztendlich für eine schwierige Entscheidung, uns mal so zu sagen, weil es einfach … Erstens halte ich es viel zu verfrüht in dem Moment. Also wir müssen jetzt nicht diese Zeichen setzen, sondern das kann man sicherlich, wenn man irgendwie merkt, in zehn Jahren oder in, sagen wir mal, in acht Jahren, das kriegen wir nicht hin, wir verschieben es auf 2040. Aber das, was jetzt machen, ist irgendwie ein Zeichen dafür, dass die Zukunft doch dem Verbrenner gehört.
Und das fällt eben in diese Zeit – das habe ich ja vorhin schon beim Ereignis des Jahres auch gesagt – in der auch, sagen wir mal, die Bemühungen, den Klimawandel aufzuhalten, ja extrem runtergefahren werden. Und es gibt ja sehr viele Leute, die trotzdem sagen, dass der Verbrenner weiterhin ein Modell ist, was zum Scheitern verurteilt ist und dass letztendlich die E-Mobilität oder andere Antriebsformen, die wir vielleicht noch gar nicht kennen, siegen werden. Insofern, wenn das wirklich der Fall ist oder wäre, dann ist es natürlich kein gutes Zeichen für die deutsche Automobilindustrie und den Standort Deutschland, dass sie sich nur durch eine Verlängerung, eine Wiederbelebung eines Konzepts, was schon 150 Jahre alt ist, nur so irgendwie über Wasser halten können. Und das zeigt ja jetzt nicht unbedingt, dass Deutschland ein Innovationsstandort, zumindest hinsichtlich dieser Techniken ist, was ja gar nicht stimmt. Also Deutschland ist weiterhin ein ganz großer Player, auch was Innovation im Bereich erneuerbare Energie anbetrifft. Aber das ist ja so was wie das ganz große Zeichen, dass das eben von der EU-Kommission kommt. Man kann jetzt allgemein darüber reden, wie sinnvoll sind Verbote der EU-Kommission allgemein, aber das ist ein ganz großes und weites Feld. Davon will ich mich jetzt nicht einlüllen lassen, aber ich glaube, dieses Comeback des Verbrennermotors ist für mich auch so was wie ein Zeichen für diese ideologische Wende, die wir durchlaufen und die eben leider meiner Meinung nach das Thema des Klimawandels unter den Teppich kehrt.
41:49
Da hast du vollkommen recht und es macht natürlich.Also insgesamt wahrscheinlich auch die ganze Autoindustrie für meinen dafürhalten – ich bin jetzt nicht der Experte –, aber nicht innovativer, weil wir dadurch natürlich auch gar keine Anreize mehr haben, überhaupt innovativ irgendwie nach anderen, alternativen Antrieben zu suchen.
Und ich muss ganz ehrlich sagen, hier im – ich finde, in Deutschland hat das Thema E-Mobilität eigentlich bis jetzt einen ganz guten Schub gehabt und die Frage wäre natürlich nur gewesen, wie man das jetzt weiter verlängert und nicht, wie man es jetzt irgendwie wieder auf Eis legt. Und da bin ich auch etwas ratlos, wie da die Entwicklung ist, ob da jetzt wirklich dann die Automobilindustrie im Endeffekt sagt: „Ja, wir gehen aber trotzdem noch den E-Mobilitätsweg weiter. Es gibt natürlich Sachen, wo ich ehrlich gesagt auch ein bisschen skeptisch bin, dass das irgendwie Zukunft hat, auch wenn es vielleicht besser ist. Also zum Beispiel Wasserstoff halte ich persönlich irgendwie für ein bisschen schwierig, aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Ja, aber insgesamt, also ein Zurück zum Verbrenner kann auch in meinen Augen nicht die Lösung sein. Von daher gebe ich dir da vollkommen recht und ich würde sagen, wir kommen direkt – wir haben so einen Zug in der Sendung – wir kommen direkt zu „Mensch des Jahres.
43:28
Absolut. Wir sollten für alle Podcasts so Kategorien vorlegen, damit wir dieses Tempo insgesamt drin haben, obwohl es ist ja so ein bisschen Gegenpol, weil eigentlich ist ja so eine besinnliche Zeit, in der wir jetzt durchlaufen, aber wir machen einfach, wir geben einfach Gas, auch dank des Verbrennermotors.
So, das ist dein Mensch des Jahres?
43:51
Bin ich dran oder möchtest du?
43:53
Ich kann auch gerne machen. Und zwar ist mein Mensch des Jahres der Der Überraschungskandidat Mohamed Farid.
Mohamed Farid war einer der ersten Lissaboner, der bei dem Seilbahnunglück im Anfang September in Lissabon, wo ja 16 Menschen ums Leben gekommen sind, aus seinem Souvenirladen rausgerannt ist und sofort zu diesem Unglücksort und zusammen mit einem von seinen Freunden ein Kind aus diesen Trümmern gezogen hat und es dann der Polizei weitergegeben hat und die dann den Rettungskräften. Das ist wahrscheinlich auch das Kind von dieser deutschen Familie gewesen, die in dieser Seilbahn war und die komplett für praktisch tot erklärt wurden, zumindest die Mutter oder der Vater. Und später kam heraus, dass alle am Leben sind und auch auf dem Weg der Besserung. Insofern ein glückliches Ende für diese deutsche Familie, ein schreckliches Ende für eben 16 andere Menschen auf dieser Welt. Aber dass Mohamed Farid da sehr früh vor Ort war, ist jetzt nicht so, dass er irgendetwas Grandioses da gemacht hat, aber er hat einfach nur durch eine simple menschliche Geste gezeigt, in einer Zeit, in der die Immigranten weltweit an die Wand gestellt werden und mit Vorurteilen überhäuft werden, hat er einfach gezeigt, dass sie ein ganz wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind und dass sie in genauso humanitären Maßstäben denken wie ein Großteil der Bevölkerung überhaupt. Und deshalb ist dieser Mohamed Farid, ohne dass er es weiß und ohne dass er diesen Podcast jemals hören wird, für mich der Mensch des Jahres.
45:54
Cool.Du hast auch mit ihm gesprochen, ne?Kann das sein?Oder hatte ich …
45:57
Genau, ich habe mit ihm gesprochen. Ich bin natürlich dadurch ein bisschen auch beeinflusst von dieser Geschichte, aber wie gesagt, was wichtig für mich ist, ist eben das, was ich gerade auch mit den Immigranten gesagt habe, mit den Migranten insgesamt weltweit, die auch in den USA total verfolgt werden und aus unter unmenschlichsten Bedingungen in irgendwelche Drittstaaten ausgeflogen und sonstige Geschichten.
Wir müssen uns daran erinnern, dass gerade wir in den westlichen Gesellschaften ohne Immigration einfach auch sterben werden. Also entweder kommen wir mal zu diesem Schluss, dass der Portugiese, wie er in den 60er Jahren unter erbärmlichen Zuständen übrigens gelebt hat, nicht das Modell sein kann, was irgendwie das 21. Oder 22. Jahrhundert in Portugal bestimmt, sondern da spielen andere Menschen aus anderen Teilen der Welt auch eine Rolle. Und das, denke ich, gilt auch für viele Menschen und für viele Orte der Welt, auch unter anderem Deutschland, wo sich auch der Kurs gegen Migration und gegen Asyl ja unter dieser Märzregierung sehr verschärft hat.
47:20
Richtig. Da bin ich echt platt.
Also das ist wirklich eine gute Auswahl gewesen. Ich bin jetzt dem Mensch des Jahres ganz ehrlich nicht so nah, wie du es vielleicht bist bei deinem Mensch des Jahres. Allerdings ist mir die Geschichte meines Menschen des Jahres etwas, ja, ich würde mal sagen, nahegegangen. Und zwar spreche ich von Laura Dahlmeier. Sagt dir der Name was?
47:56
Ja.
47:57
Okay, noch mal für alle: Laura Dahlmeier, erfolgreiche deutsche Biathletin, die nach ihrem Karriereende ja in erster Linie ja TV-Expertin war und äh sich natürlich äh äh auch sehr intensiv dem Bergsteigen gewidmet hat, was sie schon seit ihrer Kindheit äh irgendwie getan hat. Also das war jetzt irgendwie nix Neues.
Ähm, sie ist im Juli, meines Wissens nach, bei einem tragischen Bergunfall am Laila Peak in Pakistan, in etwa fünftausendsiebenhundert Meter Höhe, ja bei einem Steinschlag ums Leben gekommen. Und, ähm, ja, die Bergung, äh, ihres Leichnams, äh, ist komplett abgebrochen worden, mehrere Male. Und es war auch ihr ausdrücklicher schriftlich fixierter Wunsch, dass niemand, äh, ja, sein Leben riskieren solle, um, äh, sie in einem solchen Fall zu bergen. Was jetzt natürlich dazu führt, dass ihr Leichnam weiterhin dort liegt, wo, wo sie ums Leben gekommen ist und auch bis dato nicht geborgen worden ist.
Ich habe jetzt nur noch zwischendrin gelesen, irgendwie, dass die Familie im September, äh, noch mal, äh, es versucht hat, aber da– auch da ein Bergungsversuch abgebrochen wurde. Wieso habe ich jetzt Laura Dahlmeier irgendwie als Mensch des Jahres gewählt? Das, äh, ist natürlich die Frage, die jetzt allen aufm, äh, auf der Seele brennt. Ähm, ich hatte so das Gefühl, das Problem natürlich bei dieser Geschichte war, ähm, dass die Presse da relativ wenig zu berichten konnte, weil niemand hatte Bilder irgendwie vom Laila Peak in Pakistan. Äh, es gab Bilder von Laura Dahlmeier und auch die Familie hat, äh, sinnigerweise, und das meine ich jetzt nicht ironisch, sondern vollkommen ernst, äh, sinnigerweise da so ein bisschen zugemacht und gesagt: „Äh, wir lassen das, äh, alles, äh, so unter uns und machen da jetzt kein großes Tamtam drum.“ Ähm, ich finde einfach, ähm, also darüber fand ich eigentlich, dass im– Mitte dieses Jahres einfach die ganze Geschichte relativ schnell dann wieder in Vergessenheit geraten ist und, ähm, niemand mehr so wirklich darüber, äh, gesprochen hat, weil wie das halt bei den Medien heutzutage ist, ähm, es auch nichts mehr darüber zu berichten gab.
Du kannst natürlich immer wieder versuchen, das irgendwie neu zu drehen. Äh, das machen dann immer die, äh, die bunten Spalten, die Klatschpresse versucht das immer wieder, aber so richtig, ähm, funktionieren tut es natürlich nicht. Ich finde, ihr Umgang mit dem Tod sollte uns vielleicht, ja vielleicht etwas demütig dafür machen, dass wir unser Leben so genießen können, wie es ist, und dass wir, ähm, einfach auch, äh, uns darüber freuen. Klar, man könnte jetzt auch sagen, ja, äh, die hätte ja nicht da hochsteigen müssen und hätte, ähm, hätte irgendwie, äh, äh, sich da in fünftausendsiebenhundert Metern irgendwie in Gefahr bringen, äh, müssen. Ähm, aber, äh, sie wollte ja auch nicht, dass irgendjemand sein Leben für sie riskiert, wenn sie da irgendwie in Gefahr kommt. Also von daher, äh, war das, äh, alles irgendwie schon kontrolliert und, äh, das finde ich in Hinblick auf, äh, das eigene Leben, äh, wirklich sehr, sehr bemerkenswert.
Und, ähm, genau das wollte ich eigentlich mit dem Mensch des Jahres noch mal so ein bisschen würdigen.
51:39
Ja, das ist, äh, eine schöne Wahl auch, ähm, eine tragische Wahl natürlich, aber das, was du jetzt gerade am Schluss gesagt hast, das fand ich sehr interessant und auch, auch weiterführend, Henning, dass du gesagt hast, ähm: Ja, wir sollten uns einfach viel stärker darauf besinnen, was der Moment ist, was, was das ist, was wir jetzt gerade erleben, dieses jetzt und jetzt und jetzt und nicht eben nur das, äh, was war oder das, was sein wird.
Und ich glaube, dafür steht sie auf jeden Fall, ähm, weil ja das Bergsteigen – ich bin jetzt kein großer Bergsteiger – war auch schon mal in den Bergen unterwegs, aber– Und weiß um die Schönheit der Berge und kann diese Anziehungskraft auch, äh, irgendwie nachvollziehen. Ähm, und sie war einfach auf, auf der Suche nach diesem Moment und dass sie da eben dann, ähm, auch viel für riskiert hat, äh, spricht einfach auch, glaube ich, oder sendet diese Botschaft, die du ja auch gesagt hast, aus, dass wir uns dessen alles einfach ein bisschen stärker bewusst sein sollten, wie, wie schön wir es wirklich haben können.
52:49
Und ich würde sagen, mit den, äh, wunderbaren Worten, äh, entlassen wir euch, liebe Hörer, jetzt in, äh, das, äh, neue Jahr und, äh, hoffen, dass es wirklich ein tolles, äh, 2026 wird.
Äh, ja, nicht nur, äh, privat, sondern auch, äh, beruflich. Wenn ihr noch mal … Ich habe übrigens natürlich noch mehr Content da, äh, Tilo. Das ist natürlich klar, ne?
53:15
Ja, klar, da machen wir dann den Directors Cut draus.
53:18
Nein, ich mache noch mal in die Links, in die Show Notes gibt’s noch, äh, ein Quiz für das Jahr 2025. Ähm. Das habe ich beim Spiegel gefunden. Wenn es am Ende dieser Sendung jetzt noch zu traurig war, dann habe ich noch fünfundzwanzig Gründe, warum 2025 gar nicht so schlecht war.
Und die kommen zwar von der Bild-Zeitung, sind aber teilweise gar nicht mal so schlecht. Zum Beispiel für dich, Tilo, als alter Ultralinker: Der erste Mai bleibt randalenfrei. Na? Ist das eine gute Nachricht?
53:50
Scheiße.Ich hatte, ich hatte, ich hatte hier schon meine Tonscheine, Scherbenplatte gerade wieder aufgelegt.
53:59
Okay, und in dem Sinne würde ich sagen, wir starten rein in das neue Jahr.Tilo, dir alles Gute und für alle, die gerne uns was schreiben wollen: , das ist unsere E-Mail-Adresse.
54:12
Henning, mach’s gut. Schöne Worte waren das zum Abschluss und ich wünsche euch auch alles Gute fürs neue Jahr 2026 und auf dass wir uns spätestens in zwölf Monaten hier wiedersehen und Fazit ziehen, äh, dass das Jahr 2026 auch gar nicht so schlecht war.
54:30
Ja, das hoffen wir.Vielleicht sogar noch ein bisschen, einen Ticken besser als ’25, oder?
54:35
Ja, vielleicht kriegt dann Trump auch noch mal in den Midterms eins aufn Deckel.Das wär natürlich toll.
54:40
Alles klar.Ich wünsch dir was.Bis dann.
54:43
Bis dann, Henning.Ciao.
54:45
Ciao.


